Perthes tat sofort, wie sie ihn gebeten. Sie gingen in der, Elli und Wilkens entgegengesetzten Richtung nach der Sägemühle zu. Er hatte sie mit heftigen Vorwürfen empfangen wollen. Aber jetzt, wie sie so an seiner Seite schritt, fühlte er sich ruhiger werden. Es war ein und dieselbe Wirkung ihres Wesens, die sich ihm immer mitteilte, ob er wollte oder nicht.

„Ich war drauf und dran, heimzugehen, ohne Sie noch einmal gesprochen zu haben,” begann er mehr traurig als zornig.

Marga sagte nichts. Ihr Kopf war tief vornübergebeugt, als sähe sie auf den Weg.

Elli hatte mit ihr geredet und ihr ihr Betragen vorgeworfen. Sie wollte liebenswürdiger sein. Aber es war schwer, so schwer! Irregemacht an ihrer Zurückhaltung, die ihn kränkte, und doch sich bewußt, daß jeder Schritt, den sie ihm weiter entgegenkam, sie schwächer und unglücklicher machte, suchte sie umsonst den immer schmäler werdenden Weg zwischen ihrem Stolz und ihrer Pflicht auf der einen, ihrer Liebe auf der anderen Seite.

Perthes fühlte, wie ihre Hand, die zufällig die seine streifte, kalt war und zitterte. Was war das? Er schaute sie prüfend an. Weinte sie denn? Es ging eine leise, schütternde Bewegung durch ihren Körper, die ihm nicht entgehen konnte; aber er sah keine Träne in ihren blicklosen Augen, als er sich vorbeugte. Und doch hatten ihre Züge den Ausdruck des Weinens, einen seltsamen, rührenden, ergreifenden Ausdruck verborgenen, inneren Weinens.

„Was ist Ihnen denn, Fräulein Marga? Warum verstehen wir uns denn heute nicht? Warum sind Sie so anders als sonst zu mir? Was haben Sie nur? Habe ich irgend etwas verbrochen? Mißfällt Ihnen etwas an mir? So reden Sie doch nur! Sagen Sie, was es ist!” Besorgt, dringend, beinahe verzweifelt stieß er seine Fragen hervor. Es war keine Spur von Ärger oder Bitterkeit mehr in seinen Worten.

„Ich habe nichts gegen Sie. Gar nichts!” Marga schüttelte energisch und abwehrend den Kopf. „Nur —” setzte sie flüsternd hinzu, „nur —” wiederholte sie noch einmal kaum hörbar. Unfähig, sich auszusprechen, kehrte sie ihr Gesicht von ihm ab.

„Nur?” Er ließ sie los und stellte sich vor ihr auf den Weg. Er zwang sie, zu ihm aufzusehen.

Ihre leeren Augensterne hasteten scheu an ihm vorbei, hinaus in die Weite. Als suchte sie die Nacht, die jetzt immer dichter heranzog, um sich in ihr zu verstecken.

Perthes nahm wieder ihren Arm. Willig ließ sie sich weiterführen.