„Statt dessen!“ stöhnte der Aufgeschreckte; — und er sah Gesichter, hörte Stimmen, er kämpfte in seinem zerwühlten Bett gegen den Alpdruck der Gerüchte, die ihm zugingen, den Stachel der Fragen, die man stellte, gegen die Verleumdungen und ihren würgenden Griff. Viel Feind, viel Ehr’! Aber wenn jeder, der ihm die Hand drückte und noch der an seinem Tisch zum Gichtkranken gewordene v. Popp ihn als bedroht hinstellte, seinen Besitzstand anzweifelte und in Gausenfeld, diesem ehernen Fels, nichts Festgegründetes mehr sehen wollte: dann kam ein Augenblick — und war er nicht schon da? Bei den Verhandlungen über große Aufträge, ja, mit den Behörden, gebrauchten die Gegner die Waffe, die jener Arbeiter in der Tasche trug. In seiner eigenen Aktionärsversammlung war es erwähnt worden. Dies war nicht Mystik mehr, nicht Utopie; die Wirklichkeit selbst will dir an den Hals. Herangewühlt haben sich die Feinde. Katilinarische Existenzen reißen an sich, was heilig in deine Hand gelegt ist, Besitz und Macht!

Der Generaldirektor warf die Decke ab und trank Wasser. Er wußte Bescheid um solche Existenzen und was die Begehrlichkeit, so arm sie sei, vermag, — die Lebensgier. Da bringt man die Beneideten wegen eines Wortes ins Gefängnis und enteignet sie. Was du selbst gekonnt hast, wird auch jener können! . . . Jetzt klapperte er, das Fieber kam . . . Damals warst du jung, jetzt ist er es. Der Feind schwingt das Messer, was rettet dich noch. Komm ihm zuvor, kein Mittel, das nicht gut wäre! Bluten soll er! Auf ihn!

Der Generaldirektor drückte den Knopf, er läutete Sturm. Indes im Hause ein Laufen begann, wappnete er sich mit der geballten Seidendecke, schwang ein Rasiermesser und brüllte „Auf ihn!“ Frau und Söhne, die ihn in ganz erschöpftem Zustand vorfanden, schickten zum Arzt. Das Auto raste.

Balrich, wach sitzend, hörte es rasen, sein Lichtkegel fiel in die Finsternis und zerfiel, — und so schnell und so klar wußte Balrich: jetzt ängstigt sich der Feind. Dies gilt dir, — wie zuletzt nur dir der Fackelzug galt. Der Reiche hat alles für sich, er liegt auf dem Grab der Gerechtigkeit wie ein Tier aus Stein, zu schwer, um es fortzuwälzen. Aber das Tier, obwohl aus Stein, hat Angst, gern würde es dir dein Recht abkaufen. „Ihm war es ernst mit den Hunderttausend, die er bot; ich kann sie haben.“

Da stand er auf und drückte sich in den Winkel. Das Recht deiner Brüder verkaufen, — dahin führten dich deine Zweifel. Zum eigenen lichtscheuen Vorteil! Für das Recht nicht mehr kämpfen, es nur gebrauchen wie einen Dietrich — und sein, wozu sie dich machen, ein Erpresser! . . . Er hielt sich die Stirn. „Das dachte nicht ich! Aber ich muß doch schlau werden wie er. Ich kann ihm eine Fälschung verkaufen, oder kann heimlich Zeugen bestellen zu dem Handel, dann halte ich ihn. Jedes Mittel ist gut. Das Messer in seinen Bauch!“

Die Nacht inzwischen verging, die auch dem anderen verging.

Am Tag in der Stadt hatte Balrich wieder einmal den Hans Buck hinter sich, das Bürschlein ließ sich nicht abschütteln. „Ich kann dir etwas verraten,“ sagte es. „Er hat Angst.“

„Lassen Sie mich in Ruhe!“ verlangte Balrich. Das Bürschlein sagte trotzdem Du.

„Es geht dich an. Er gibt her, was du willst.“

„Er soll nur hergeben, was mein Recht ist.“