„Du aber, mein Rächer, packe zu, pack ihn an!“ Dies wartete der Reiche nicht ab, er nahm Reißaus.

Balrich sah jäh: „Auch um den steht es nicht gut.“ Er hatte gemeint, das sei ein Sieger, — da er selbst doch besiegt war. Aber sind wir besiegt, wenn der Sieger Furcht hat? Der Heßling hat nun die Gewalt, ich bin verlassen, ihm glauben sie. Nur glaubt er sich selbst nicht. Die Sieger wissen, sie bleiben es nicht. Sie müssen immer schlechter werden, damit sie es eine Weile noch bleiben. Abhängen von Gellert und mit Klinkorum einen dunklen Handel haben: sieht so der Sieg aus, um was kämpft man?

Indessen glühte es auf, durch den kahlen Garten, als bräche Feuer aus. Klinkorum stürzte auf seinen Balkon hinaus, und Balrich, der umkehrte, sah es lodern über die Wiese her: Fackeln. Da schmetterte auch Blechmusik los, zum Empfang des Autos; denn mit vielem Schnauben hatte es sich aus dem Feldweg losgearbeitet und kam zum Vorschein. Es fuhr langsam, voran die Musik, und die Fackeln umringten es. Welch sieghafter Anblick; Heßling, aus dem Wagen heraus den Zylinderhut hebend und sein überall hin dankendes Gesicht, glutüberflogen wie von den Bränden einer Schlacht! Die Arbeiter, grell ausgeschnitten aus der Nacht, mit toten Schatten unter den Wangenknochen und hölzern klappenden Mündern, brüllten ihm zu. Vorn brüllte Jauner, und Polster hinten, in der Mitte aber brüllte der Sohn Kraft. Eine geschwenkte Fackel warf Streiflichter in sein wankendes Gebiß, in die Nasenlöcher, gebläht, um den Geruch dieser Menge von Männern aufzunehmen, — und wohin verlangten seine verstörten Augen? Zu Balrich; ihn suchte er, ihm winkte seine schwache Hand, ihm selbstvergessen jauchzte der Sohn Kraft . . . „Abgesehen, ich weiß, ist es auf mich,“ sagte Balrich. „Die ganze Mache doch nur auf mich!“ Das Gebrüll um den Heßling verfing sich in dem der Musik, Takt ward das Stampfen, dahin zog Heßling, welch sieghafter Anblick!

Jemand war im Schatten zurückgeblieben, Herbesdörfer; er trat zu Balrich. „Da hast du es,“ stammelte er wild. „Du hast ihm kein Feuer machen wollen, jetzt machen die es ihm. Einen Fackelzug dem edlen Spender der Gewinnbeteiligung. Was willst du tun. Mit den niedrigen Löhnen beziehen sie heute mehr als sonst mit den höheren. Da fährt er hin auf sein Fürstenschloß und hat uns alle in der Tasche.“

„Da hat er etwas Rechtes,“ sagte Balrich und trat fort, in die Nacht, die sich schloß.

Der Generaldirektor hielt noch, von der Terrasse seiner Villa Höhe, ein berauschter Herrscher, die Ansprache, befahl Bier für alle aufzufahren in den Räumen der Dienerschaft und rühmte noch feierlich vor den Seinen das Hochgefühl der Verantwortung, die er trage. Dann aber, er hatte mit seinen Söhnen „die Runde“ gemacht und im Haus nach den Selbstschüssen gesehen, schloß auch um ihn sich die Nacht.

Er lag im Bett und geschwellt bedachte er, daß die Liebe des Volkes wert sei was sie koste. Ergreifend diese Menschen in ihrem Vertrauen, die Gewinnbeteiligung werde dauern, das Leben friedlich und glücklich bleiben. Ach! so war es nicht gewollt von Gott. „Ich wäre reif, erledigt zu werden, verstände ich mein Interesse so schlecht. Was sie sich wünschen, würde das in meiner Person verkörperte Ganze verzwergen, ich aber bin von meinem Gewissen verpflichtet, es zu erweitern, immer zu erweitern, mag der einzelne bestehen oder nicht. Was zählt, ist nur das Ganze; das Ganze um seiner selbst willen; und ich bin das Ganze.“

Dem einzelnen, erklärlicherweise, machte allein der Zwang dies begreiflich. Waren jene großen Kinder ergreifend, nicht weniger waren sie gefährlich, denn der Glaube an Frieden und Glück ist äußerst gefährlich. Sie waren, bis sie verstanden was nottat, noch rauhe Wege zu führen, vielleicht blutige. Inzwischen trage der Verantwortliche Sorge, ihren Wahn einzuschläfern durch eine Gewinnbeteiligung. Schon haben sie den Aufwiegler vergessen — vergessen den, der ihnen das Ganze versprach, und das Ganze als Mittel zum Frieden und Glück!

Der Generaldirektor drehte das Licht an und ab, es half nicht, er selbst vergaß nicht jenen. Dahinten saß er, ein heller Punkt in der Nacht, saß wach und arbeitete für den alten Brief in seiner Tasche. Ein Wisch Papier, zum Lachen wertlos vor der angesammelten Macht, die besteht, — aber wenn Tausende eines Tages in seinem Namen das Recht anriefen, was gab es dagegen? Es gab die Aussperrung, v. Popp, das Zuchthaus. Das war nicht genug. Er hatte immer geglaubt, es sei genug, — bis jener kam. Der mußte fort, um jeden Preis. Freilich, Klinkorum, der ihn beherbergte, erriet die Lage und verlangte für seine Baracke jetzt einen Betrag, — wer ihn bezahlt hätte, gestand offen ein, er fürchte sich . . . Aber er mußte fort zum Heil des Ganzen, und damit nicht länger ein Phantom umgehe, das sie Recht nannten — ungreifbar, verderblich den Gemütern, wesenlos vor der Macht, die besteht, und dennoch sie lähmend.

Grausig, träumte ächzend der Generaldirektor, als sie noch ihr Geheimnis behüteten, mystische Sage vom Erbrecht der Enterbten, überliefert durch einen alten Tunichtgut, vertreten von dem Arbeiter, der Latein lernt. Man ging wie auf geladenen Minen, kein Schritt ohne Angst. Jetzt wissen wir. Die Minen sind entladen, der geheime Feind ein Nachhilfslehrer im blanken Gehrock. Die Welt kann nur die Achseln zucken, würdest du glauben. Statt dessen —