„Ich kaufe uns Bier. Die Alte dort, mit dem massierten Busen, hat es auf dich abgesehen. Sie denken, dich halte ich mir aus. Du kannst dein Glück machen,“ worauf er leichtsinnig mitlachte.
„Wir müssen grade so gemein werden wie sie,“ sagte die Schwester, in dem spiegelnden Foyer, weithin reiche Leute. „Du willst ihr Recht studieren, damit du sie enteignen kannst. Auch ich tue nichts, was ihre eignen Weiber nicht schon tun. Die Nichte des Generals —“
„Die Anklam?“
„Die hat eine andere Klaue.“
Flüchtig sah sie ihre geschminkten Nägel an.
„Solche Rechnungen, bei Gott, hat er für mich nicht bezahlt. Ich habe ihm, zu meiner Strafe, die Quittungen gestohlen und lese sie manchmal.“
Zweites Glockenzeichen, das Gedränge lief ab, noch blieben die Geschwister. Da sah er ihre gefärbte Lippe wanken, auf den schwarzen Rand der Augen trat ein heller Tropfen. Hilfesuchend griff sie nach seinem Arm, — und ihm sagte ihr Zittern, dieser kurze Atem, die Hast: sie liebt jenen Mann! Was immer sie tut, was aus ihr noch wird, die Schuld hat der Mann. Nur ihn hat sie geliebt — und hat durch ihn nun schon ein Herz, das nur noch haßt.
Brüderliches Schicksal! Erschreckend wie ein Vorzeichen! Stumm aneinander gedrängt hasteten sie durch den leeren Gang und kamen als letzte auf ihre Plätze. Da fragte die Schwester noch einmal wie zu Anfang:
„Bist du mir noch bös?“ — aber er hörte es diesmal, als fragte sie: „Jetzt, da du weißt? Jetzt, da du sogar vorausweißt?“
Er ergriff ihre Hand. Auf der Bühne trugen sie nachgerade schon Trauer, infolge von Schmerzen, die man nicht begreifen konnte, — und waren sie es wert, daß man sie begriff? Meine Schwester, sah Balrich, liebt einen Reichen. Er hat sie gehabt. Jetzt verläßt er sie, denn sie ist arm . . . Er stieß hervor: