„Sie aber lügen! Sie halten uns Arme hin, und Ihr Geschäft ist Tücke. Sonst würden Sie sagen: Glaubt nichts, aber handelt!“
Napoleon Fischer lehnte ab.
„Dann wäre ich kein zielbewußter Sozialdemokrat, sondern gradezu ein Anarchist.“
„Das bin ich!“ sagte Balrich.
VII
Ultima ratio
Die Kinder schrieen tosend vor dem großen Arbeiterhaus, rannten, zappelten, prügelten sich; nur polterten sie nicht mehr gegen den Zaun der Villa Klinkorum, denn die Planken waren jetzt bedeckt mit Stacheldraht. Die alten Männer, die nicht mehr arbeiteten, wärmten sich an der Mauer, in der Sonne des Vorfrühlings. Dann wuchsen die Schatten, die Greise verschwanden mit den Kindern, von der Arbeit kamen die, die Kraft hatten; — nur Balrich verharrte noch immer in dem feuchten Garten, ging und stand, grübelte, horchte. Malli drinnen im Keller saß beisammen mit Thilde, sie bejammerten das Geschick und wurden erzürnt, übertönte sie einmal das Lachen der Kleinen. Der alte Gellert lachte mit den Kleinen.
Da streckte Balrich den Kopf durch einen Busch; nun galt es, dort kam er. Horst Heßling kam daher, ohne Monokel, mit einem dummen Gesicht, und sein Gang sah aus wie stotternd vor Verlegenheit. Dies war der Moment! Balrich tat einen Gleitschritt, unvorhergesehen stand er vor ihm.
„Sie haben mich erwartet,“ sagte er rauh. „Früher oder später. Jetzt bin ich da und fordere. Heiraten Sie meine Schwester!“
Horst Heßling lächelte schlaff, als sagte er: „Hätte ich sonst keine Sorgen!“ Dann gab er sich einen Ruck, sogar nach dem Monokel faßte er und bemerkte: „Komisch, das müßte doch ihr selbst einfallen.“
„Oder Ihnen,“ sagte Balrich. „Denn Sie haben die Schuld.“ Er ließ sich nicht unterbrechen. „Nur Sie! — obwohl sie schon vorher nicht mehr unschuldig war. Ein Reicher kann keine Unschuld verlangen. Aber was ihr geschieht und was immer aus ihr wird, kommt alles auf Sie; denn Sie —“