Feindlich richtete er sich auf. „Sie meinte: gefährlich für dich. Ich? Was kümmere ich sie! Einen Kuß hat sie mir gegeben — für dich. Aber du bekommst ihn nicht. Ich behalte ihn, damit ich nicht doch die Lust verliere, zu sterben.“

Heftig wandte er sich fort. Balrich zog ihn wieder herum. „Was sprichst du denn!“ Der Knabe machte einen Mund, bitter wie ein Greis.

„Du denkst wohl, das alles soll hingehen und vergebens sein? Eines Tages soll ich sie vergessen haben? Für wie schlecht und feige hältst du mich denn? Könntest etwa du selbst vergessen, was dein Ziel und Leben ist?“

Hierauf schwieg Balrich. Hans Buck streckte wild die Hand hin. „Sie will mich nicht, jetzt bin ich dein — bis an das Ende. Du sollst sehen, was ich kann.“

Er sah nach, ob niemand horchte.

„Du gehst nicht aus dem Zimmer, niemand wird dich finden, ich bürge dir. Ich führe sie auf falsche Fährten. Deine Leute sollen wieder so fest zusammenhalten wie damals, als sie das Geheimnis hatten und Heßling sich fürchtete.“

„Auch jetzt hat er etwas zu fürchten,“ sagte Balrich. Hans Buck schüttelte den Kopf. „Jetzt treibt er zum äußersten, er kann nicht anders. Alles treibt zum äußersten, auch du, auch ich. Nicht länger darf es ohne Gewalt gehen und ohne daß ich sterbe.“ Bleich und feierlich; — aber er faßte sich und sagte mit Beweglichkeit:

„Laß alles mir! Ich melde dir alles, was vorgeht. Durch mich befehligst du sie. Du sollst nur mich sehen. Ich bin der einzige, der überall durchkommt, und niemand bemerkt ihn.“

Er flüsterte, spähte, glitt aus der Tür.

Balrich hatte auf seinem Tisch die Bücher, er wollte arbeiten wie immer; aber ihm klopfte das Herz. Hierher hatte er sie geführt, auf Wegen, die an soviel Größerem enden sollten, unwissentlich nun doch hierher; und konnte bei ihnen nicht sein. Gewalt stiften — und dann zusehen, wie sie sich vollzog: eine Führerrolle. „Aber ich bin kein Führer; das war. Ich will nur noch dreinschlagen, es soll nur noch drunter und drüber gehn — zu welchem Ende? Zu keinem.“