„Sie hat mich weggeschickt, kannst du es ihr verzeihn, der du mein Freund bist?“
„Du Bürschlein,“ sagte der Bruder mit Nachsicht. Der Siebenzehnjährige rang die Hände.
„Welch ein Unglück! So ist es denn möglich, daß ein Mädchen nicht fühlt, kein Mensch, in ihrem ganzen Leben kein Mensch werde so sehr sie lieben! Ich hätte es nie geglaubt. Für mich geht die Welt unter.“
Der Bruder umspannte seine gerungenen Hände. Es rang auch in ihm, er sagte gequält: „Laß sie! Du bist der Bessere. Ich liebe sie auch, aber wir sind nicht gut, wir lieben das Geld.“
Da schäumte der Liebende auf gegen ihn. „Das Geld? Das hatte ich, und sie wollte es nicht!“ Er zeigte den Schein her. „Nicht einmal den, — und welche würde den ausschlagen. Wir Reichen haben sie erzogen, daß sie Geld nehmen, warum beschimpfst du nun sie?“
Jetzt weinte der Bruder. Er legte dem Siebenzehnjährigen die Hand auf die Locken und murmelte: „Du Bürschlein.“ Jener warf die Arme zum Himmel.
„Wir würden geflohen sein und wären in der Welt nun allein. In der Menge der Menschen nicht einer wüßte um uns. Ich würde arbeiten, harte Arbeit, schmutzige Arbeit, ich würde arbeiten für sie, um jedes ihrer süßen Glieder zu bekleiden und ihrem süßen Mund die Nahrung zu bringen. Ich würde leben für ihre Küsse, — und wäre es nicht erlaubt, so selig zu leben, würde ich sterben in ihrem Kuß. Wir wären gestorben, besiegt und arm; aber so viel Leben, so unvergängliches Glück wäre ausgeströmt aus uns, daß unsere Dachkammer, lägen wir tot, noch strahlen sollte!“
Er war niedergesunken; vor dem Bett kniete er und sagte sein Herz der einen, die er sah. Balrich, hinter ihm, fragte mitleidig:
„Warum wollte sie dein Geld nicht?“
Der Knabe stand auf, er sah zu Boden. „Weil es gefährlich sei für mich. Weil ich es gestohlen habe, und ich solle es zurückgeben. Aber ich weiß —“