Aber es gehe doch, meinte Dr. Heuteufel, der seinerseits die Hefte der beiden Schüler verglich. Es sehe aus, als könne es jeder.
Dies schien dem Professor zu mißfallen. Er stellte schnell mehrere Fragen an Balrich, die Balrich nicht einmal begriff, — worauf alle lachten, auch Hans. Das schmerzte den Zwanzigjährigen, er zwickte das Bürschlein stark in den Schenkel. Durch seinen Erfolg ermutigt, teilte Klinkorum den Herren mit, wie groß die Liebe zur Wissenschaft bei solchen Leuten oft sei, — leider meistens eine unglückliche Liebe. Dieser einfache Arbeiter habe ein vom Schüler Buck verlorenes Buch gefunden, und es nicht früher zurückgebracht, als bis er es auswendig gewußt habe. „Solcher fast ergreifend zu nennenden Strebsamkeit waren wir immerhin einen Versuch schuldig,“ sagte Klinkorum und lachte mit allen seinen Zacken. Die anderen Herren begleiteten ihn.
Balrich wollte nicht wissen, ob auch Hans sich freue. Er sah vor sich hin und sann düster, dies müsse ein Ende haben; allein werde er seinen Weg suchen . . . Da sagte Hans, mit einem gewissen Blick von einem der drei Herren zum andern:
„Aber Onkel Heßling wird sich ärgern.“
Und wie sie nun schmunzelten und nur gerade noch an sich hielten, dies bemerkte auch Balrich. Der Konsistorialrat nahm das Wort. Kein Arbeitgeber, soviel verstehe er, könne gleichgültig bleiben, überschritten seine Leute eine gewisse Grenze der Bildung. Dies ändere das Verhältnis, die Gesichtspunkte und die Rechte, dies sei in Wahrheit schon Umsturz.
Was er ernst und warnend sprach. Aber hätte seine Stimme die Schadenfreude versteckt gehalten bis auf ihre letzte Spur, die Gesichter der beiden anderen verrieten sie. Balrich sah mit Staunen, daß der Generaldirektor hier keinen Freund hatte. Er horchte auf. Dr. Heuteufel lehrte:
„Für die Gewalt eines einzelnen muß ein Gegengewicht gefunden werden, und das ist —“
„Die geistige Bildung,“ schloß Klinkorum. Worauf Heuteufel:
„Die Bildung und sogar der Geist sind nur Mittel zum Zweck. Ihm und seinesgleichen muß wieder einmal klargemacht werden, was persönliche Freiheit heißt. Auf dem Wege, den die Herren, und zwar gern gesehen von der Behörde, eingeschlagen haben, kommen wir zur Staatssklaverei, sogar früher als man denkt.“
Feierliches Schweigen. Der Arbeiter Balrich ergab sich einem heftigen Vertrauen zu denen, die so sprachen und dachten.