„Das ist aber auch wahr,“ beteuerte er und schlug auf den Tisch. „Wissen Sie wohl, warum wir nach Gausenfeld keine Elektrische bekommen? Weil wir unter uns bleiben sollen und nicht aufgeklärt werden sollen und in seiner Kantine saufen sollen. Das ist doch wie ein Ghetto!“ rief er, stolz auf dieses Wort.

Die Herren, mit gekniffenen Lippen, blinzelten einander schnell zu, und dann traten sie ein Stück weg. Klinkorum äußerte:

„Für heute Schluß. Das nächste Mal, Herr Balrich, könnten einmal Sie, anstatt meiner, den Unterricht geben, etwa über den Zukunftsstaat.“

„Obwohl —,“ bemerkte Zillich. „Das eherne Lohngesetz liegt doch auch schon beim alten Eisen.“

Balrich fühlte, enttäuscht und grimmig: Was soll man verlangen von den Bourgeois. Dumm wie mein Steiß, und dazu falsch . . . Ihr Wissen haben sie nur, weil sie Geld haben. Her damit, und dann ihnen an den Hals. Da ist nicht Dank noch Schonung. Gelte jeder, was er ist!

Er räumte zusammen, stand auf, trug seinen Stuhl an den früheren Platz und verabschiedete sich mit mehreren Kratzfüßen. Inzwischen sprachen die Herren gedämpft.

„Die Sachen sind wie sie sind, und manch’ einer spricht sie aus. Aber es kommt doch sehr darauf an, wer.“

Als der Arbeiter schon draußen war, rückte Klinkorum mit dem Eigentlichen heraus.

„Was soll man sagen. Die Begriffe fehlen, folglich die Worte. Ihm genügt es nicht länger, mein Haus, die Zuflucht meiner Muse, hinabgezerrt zu haben in sein Tal der Armut und des Schmutzes, es entwertet und verelendet zu haben: er will mich umbringen!“

Sie wollten es ihm nicht glauben, aber er belegte es mit Zahlen und Daten, herrührend von dem Heßlingschen Baumeister selbst. Ein drittes Arbeiterwohnhaus war bereit zu entstehen; auf dem Plan bestand es schon — und wo, und wo? Hinter Klinkorum, vielmehr, im Bogen um ihn her, — so daß er auf drei Seiten verstellt war, und vorn die Landstraße, Staub und Benzingestank. Das Ende von allem, man konnte ihm nur noch die Hände schütteln. Klinkorum schwur freilich, dies endlich werde nicht so hingehen, es gäbe Richter . . .