Er fuhr sie an, was ihr eingefallen sei; aber sie behauptete ihr Recht und das Recht Thildes.
„Wird einer verrückt, muß man nachsehen, was los ist;“ — worin die Zeuginnen ihr beistimmten. Nur daß sie dafür hielten, es gebühre der Familie. „Dinkl muß Ordnung schaffen.“
„Nun gut,“ sagte Balrich, „wir gehen zu Dinkl, Thilde und ich. Euch andere geht es nichts an.“ Dies beruhigte die Weiber, nur die Polster war nicht loszuwerden. Balrich schämte sich wegen Hans. Die Aussprache mit der Familie, er sah es, war nicht länger hinauszuschieben; dazu brauchte man am Ende den Onkel Gellert. „Hans,“ sagte er fordernd, „ich habe dir deine Arbeit gemacht, jetzt hole mir sofort den alten Gellert!“
Hans lief schon. Balrich, Thilde und die Polster bewegten sich, ohne einander anzureden, durch das Haus — lange Zeit immer über Treppen ohne Läufer, durch Korridore mit hundert Türen, sachlich wie in einem Spital, mit Fenstern, die nackt waren und in ihren Rahmen die kahle Winterfrühe hielten, unbeschönigt, wie das Leben der Armen. „Unser Leben!“ dachte der Arbeiter Balrich, aufgestört aus seinem griechischen Lesestück.
Angelangt auf dem Absatz vor der Tür Dinkls, sah er sie offen, und heraus stürzte Malli.
„Ich gehe durch!“ kreischte sie. „Das ist kein Leben;“ — und überrannte die Polster, die sogleich mitkreischte. Balrich hielt Malli, aber sie rang wie sie konnte, und schrie, sie gehe durch. Als sie dann still war, hörte man drinnen Dinkl, der schalt, und die heulenden Kinder.
„Warum läßt du mich nicht durchgehen?“ klagte Malli. Balrich zeigte ihr den kalten und dunklen Tag. Das sei immer noch besser, klagte sie. Er fragte drohend:
„Tut Dinkl dir etwas?“
Da hielt sie ihn flehend zurück.
„Er kann nichts dafür. Und die Kinder, die mich totquälen, auch nicht.“