Beim Fortgehen, in der Tür, traf er auf Simon Jauner. Der gab ihm die Hand, und mit der anderen beteuerte er irgend etwas, wohl seine Verschwiegenheit. Sie war ihm anzuraten. Hier hörte der Spaß auf, jeder einzeln hatte ihn dessen versichert. Wenn von der Sache mit Balrich die Herren etwas erfuhren, war dem Jauner sein Messerstich gewiß, er wußte es. So tat niemand sich Zwang an vor ihm; Dinkl machte wieder seinen alten Witz und nannte den alten Gellert Herr Generaldirektor. Es war ein Witz, und doch keiner mehr. Man lachte brüllend, aber auch Gellert lachte, er fühlte sich nicht verhöhnt, eher geschmeichelt.

Balrich wollte hinaufgehen zu seinen Schulbüchern, aber eine Frau hielt ihn noch auf. Ihr Mann trank, Balrich sollte helfen. Sie hatte vor ihm den demütigen Nacken Mallis.

Die alten Männer am Haus in der Sonne wandten ihm, wie er vorbei war, runde Augen nach und schwiegen, tiefer als irgend jemand. Die Kinder aber, das Volk von Kindern — eine Wolke von ihnen, stob immer, wo er ging, verschleiernd ihn und seinen Weg.

„Wir halten alle zusammen,“ fühlte Balrich hochgemut. „Jetzt hilft es ihnen nichts mehr, daß sie verschworen sind gegen uns; so fest verschworen sind sie nicht.“

Und sie wußten nichts, kein Spion steckte ihnen noch etwas, im Dunkeln liefen sie durcheinander und hätten wissen wollen.

In der Fabrik spürte man ihre Unruhe. Bis zu den Inspektoren nur Unsrige, und lächelten in den Bart, wenn von droben einer sich heranmachte und wollte riechen, was im Werk war. Man ließ sie abfallen, nicht den Mund durften sie auftun; denn nie war besser gearbeitet worden. Jeder wußte: für uns; die Ware hier ist schon für uns, die Maschinen sind unser; den Beweis hat der Balrich. Unvergleichliche Freude, wie einst der Generaldirektor, geleitet vom Oberinspektor, durch die Arbeitssäle stolzierte und hatte Furcht. Wahrhaftig, bei dem Kessel mit den Mühlrädern — Herbesdörfer stand davor und sah ihm entgegen — machte Heßling einen Bogen. Er dachte, grün im Gesicht, wie leicht man, half gar noch einer nach, zwischen die Mühlräder gerate. Die Furcht, die immer den Herbesdörfer quälte, auf einmal erlernte auch Heßling sie.

Jetzt aber erblickte er den Balrich, und jetzt — alle hatten das Auge auf ihm — fühlte er sich verloren. Er sah und aller Augen begleiteten ihn: der da, mit den schwarzen Brauen, der da, mit der breiten Stirn, den breiten Schultern, dem Schopf — das ist er, der mich in der Hand hat und mehr kann als ich und mich zerschmettern und die Gerechtigkeit wiederherstellen wird. Die Arbeiter nickten einander zu. Wie ihm das Licht aufging! Wie er zitterte!

Balrich stand stämmig da und erwartete den Kapitalisten, seinen Bauch, sein blondes, massiges und hartes Gesicht, — stand da, erfüllt wie je von dem Bewußtsein: alles Böse in der Welt geschieht für Diesen . . . Heßling, angelangt, blieb stehen, ließ den Fuß nur ein wenig in der Schwebe; aber genug, daß Todfeinde sich messen . . . Dann warf der Generaldirektor den Kopf in den Nacken, und der Arbeiter legte Hand an.

Draußen, gedämpft, fragte der Generaldirektor seinen Oberinspektor, was es damals gewesen sei mit dem Arbeiter, der Latein lernte bei Klinkorum.

„Das war er,“ sagte der Oberinspektor.