IV
Die sittlichen Faktoren
Die folgenden Tage sah man auf der Landstraße nur Heßling. Immer raste das Auto; keine Behörde in der Stadt, vor der es nicht hielt; und fuhr es weiter, saß eine Uniform mit darin, oder Herren von der Regierung. Nicht jeden Abend kehrte es zurück, — und eines Morgens früh, Doktor Heuteufel und sein Schwager Zillich gingen am „Reichshof“ vorüber, trat Heßling aus dem Hotel hervor, frisch ausgeschlafen. Er sprach sie sogar an. Folgenschwere Beratungen hatten ihn gestern Abend zurückgehalten, auch hatte sein Auto eine Panne —
„Und so weiter,“ sagte Heuteufel; aber Heßling, mit den Augen blitzend:
„Was heißt das? Wollen Sie meine Motive beanstanden? Anspielungen und Gerüchte kümmern mich nicht. Ich sitze ruhig auf Villa Höhe.“
Heuteufel ergänzte: „Weit draußen, wie ein Fürst, — aber auch mit Leibwache?“ Und Heßling, voll einer Erregung, nicht mehr zu meistern:
„Ich gehe meinen Weg, mit passiver Widersetzlichkeit ist gegen mich nicht aufzukommen.“
Ob er die Stimmung seiner Arbeiter meine, fragte Zillich. Sie sei allerdings eine Tatsache. „Mich haben sie, als ich zuletzt bei Klinkorum war, betrachtet, als wäre ich meines Lebens nicht sicher.“
Da sahen die beiden mit Genugtuung, wie das tatkräftige Gesicht des Generaldirektors weiß wurde. Er wisse nichts, stammelte er. „Man weiß nicht, was sie wollen, das ist das Unheimliche.“ — Sie gaben ihm heuchlerische Ratschläge: Die Anlage der elektrischen Straßenbahn nach Gausenfeld, er sehe nun wohl, wie falsch es war, sie zu hintertreiben. Gausenfeld, ein wimmelnder Menschenhaufen, sei, abgeschnitten von der Welt und in sich selbst verfressen, nachgerade zur Mördergrube geworden.
Mördergrube! Dies Wort ließ Heßling denn doch nicht gelten. „Meine Arbeiter habe ich in der Hand, das will ich mir ausbitten; Die kennen nicht nur meine Machtmittel und meine unerbittliche Strenge, sie wissen auch, daß sie an mir einen Vater haben. Wie Sie mich sehen, fahre ich in die Fabrik. Wollen die Herren sich entschließen mitzufahren, mir kann es nur recht sein, daß Sie sich überzeugen und in die Lage kommen, böswilligen Gerüchten in Zukunft entgegenzutreten.“
Die Herren entschlossen sich gern, ließen sich dann aber bei Klinkorum absetzen, um ihm ihre Beobachtungen mitzuteilen. Sie befriedigten den Professor durchaus.