„Sie sollen nur losgehen,“ schrie er, „wir werden sehen, wer die Macht hat!“ Assessor Klotzsche, in einem Winkel um Gretchen, die Tochter des Hauses, bemüht, zog hinter ihr die Hand hervor und streckte sie zum Schwur hin. „Sie sollen nur!“ keifte er mit angestrengtem Augenrollen — und kehrte, seine Entschlossenheit einmal bewiesen, zu seiner vorigen Beschäftigung zurück.
Die Söhne Horst und Kraft waren „unbedingt für das Aufschneiden des Geschwürs“; und aus ihren beiden Klubsesseln ragen ihre vier Gamaschenbeine. Ihre Mutter Guste, stolz auf ihren Mut, aber noch stolzer, weil die geschiedene Frau v. Anklam ihnen ermunternd zulächelte, setzte sich derart, daß sie ihren Gatten Diederich absonderte mit dem General und der beginnende Flirt nicht gestört ward. Die Anklam sah jüdisch aus, aber bei der Nichte der Exzellenz war dies sicher nur ein Naturspiel. Sie entschied sich für Horst, anstatt für Kraft, den Liebling der Mutter. Kraft gab es schon auf, ihm lag nichts an Weibern; mir einzig gehört er, fühlte Guste.
Emmi inzwischen, Mutter des jungen Hans Buck, war nur bedacht, ihn zu entfernen. Zu gut wußte sie, wie es um ihn stand und daß er weiter ging als sein Vater in der Auflehnung gegen alles dies, seine Klasse, seinen Vorteil. Was war es mit Buck? Er widersprach schon wieder dem General, und nicht nur der General war rot, auch Heßling. „Mein Bruder Diedel,“ sann Emmi, „hat sich hart gemacht. Ich weiß noch Zeiten, als er es nicht war. Jetzt kennen sie ihn nicht anders, darum denkt er, es muß so sein.“
Die Schwester sann weiter. „Ich weiß noch. Sie beide aber können sich nie mehr verstehen. Buck würde wohl wollen, erlaubte Diederich ihm nur, über dies alles hier die Wahrheit zu denken. Das ist die Leidenschaft Wolfgangs,“ sann die Gattin, „die Wahrheit zu denken. Dann fügt er sich doch, läßt sich gehen, auch wenn es nicht recht wäre, und bleibt im Nest. Er hat es früher wohl zu schwer gehabt; wie sollte er noch die Kraft finden, zu verhindern, daß die vielen anderen leiden“.
Nun aber Hans!
„Mein Hans,“ sann die Mutter gramvoll, „ist sehr gefährdet. Denn er, er will die Wahrheit nicht nur denken; ich fühle es voraus, er will sie ausführen. Wie könnte man das. Soll ich wünschen, er wäre anders, mein Hans?“
Da fühlte sie auf sich den mißbilligenden Blick ihrer Schwägerin Guste. Die hatte nie gezweifelt an ihren Söhnen, — die doch schlechter waren als der Vater! „Meiner ist besser, und ich muß zweifeln. Verworrene Welt,“ dachte Emmi Buck.
Inzwischen auf der Terrasse unter den Rosengewinden, da Klotzsche gehen mußte, hatte Gretchen Heßling einen Streit mit ihm und mit ihren Brüdern. Gretchen, bleichsüchtig und versteckt, war für die Arbeiter, und die Aussicht auf einen Streik mißfiel ihr nicht. Warum, war nicht herauszubringen. Auf alles antwortete sie ihrem Verlobten Klotzsche: „Ach du mit deinem Bauche!“ Ihr Bruder Kraft endlich, der nicht mehr an sich hielt, verriet ihr Geheimstes.
„Du Gans! Nur das Theater ist es. Sie hat im Theater einen Streik gesehen, und der Streikführer war Herr Stolzeneck, verstehst du, Klotzsche? Leon Stolzeneck, erster jugendlicher Liebhaber.“
Horst stieß Kraft in die Rippen, aber der Assessor nahm es, wie es war. „Das gibt sich,“ grunzte er gemütlich. „Theater ist etwas anderes, ich habe auch mitgeklatscht.“