„Wäre es schlimm?“ fragte er.
„Weihen Sie mich ruhig ein! Vielleicht hatten Sie nur lange gehungert oder waren übermüdet?“
„Nein,“ sagte er starr. „Es kam, weil ich wollte.“
„Wunschbilder kann am Ende jeder haben, der nicht ganz glücklich ist, oder der viel erwartet. Wie war es?“
Da fühlte Balrich: „Ich habe Leni gesehen als reiche schöne Dame auf Villa Höhe. Ein Traum, aber wirklicher als ihr alle, — und im Irrenhaus wollt ihr ihn herausholen aus mir? Pfui, Teufel!“ — und ehe er es wußte, stampfte er auf, schlug aus Leibeskraft gegen den Kleiderschrank und schrie ein Schimpfwort. Der Arzt hörte es an, er schüttelte sanft den Kopf.
„Sehen Sie, jetzt ist es doch mit Ihnen durchgegangen,“ sagte er mißbilligend; — und da er Balrich vernichtet sah: „Nun, Sie werden nicht wieder nachgeben.“
Er ging zur Tür. Jäh anhaltend: „Wer ruft da Dieb?“ fragte er. Balrich sah auf.
„Mir kann niemand es nachrufen. Aber ich kenne Diebe genug,“ sagte er mit Verachtung. Darauf nickte der Arzt und ging.
— Eine Weile des Lauschens — dann endlich frei ausschreiten, schnell, noch schneller; die Arme heben, den Tisch verrücken, alles war wieder erlaubt. Auch lehnte er sich zum Fenster hinaus. Das Dach der Baumkronen konnte er berühren, nicht aber hindurchsehen, was unten war. Plötzlich fiel ihm ein, daß in solchen Häusern Löcher sein können in Tür und Wänden. Er fand keine; — aber er warf sich vor, er habe dem Aushorcher zu viel schon preisgegeben. Wenn du schweigst, nur schweigst, welche Handhabe bleibt ihnen. Statt dessen gibst du ihnen dein Höchstes preis — aus Furcht, weil sie die Macht haben. Er fühlte: der grauenvollste Mißbrauch der Macht war erst hier verübt worden. Das Ideal, untersucht im Irrenhaus.
Jetzt aber ward es ihm bewußt, der Geruch aus dem Garten, es war der Duft von Lindenblüten, derselbe, bei dem er vor einem Jahr fast schon gestorben wäre, erhängt in einer Baumkrone. Duft des Schicksals, fühlte er; wie viel zwischen damals und heute, wie viel! Auf das Sofa gestreckt, bis es dunkel ward, dachte er, ja freute sich des Denkens, an seine Sendung, seinen Kampf, — und dir, dir dies vorbehalten, Auserwählter! Sollst um dich greifen, Heilbringer, von Gausenfeld weithin, in das Land, in die Welt. Hier weißt du es nun, gerade weil du hier bist, wie sehr sie auf dich zu hoffen, dich zu fürchten haben. Dein höchster Augenblick, er ist hier. Sie dachten dich zu vernichten, und stärken dich.