Im Dunkeln, entwöhnt des Schlafes, ward er nur wacher. Er drehte Licht an; da erschien auf breiten Schultern vor ihm ein Kopf mit breiter gebuckelter Stirn, das Gesicht aber darunter schmal wie ein Ei. Er erschrak, denn er kannte ihn nicht. Also wahr?
Dies, dein Gesicht? Er kannte es noch viereckig wie ein Klotz. Hast du denn schon so viel gedacht und gesorgt, armer Mensch? Dich gesorgt um Dinge, die fern sind und den heilenden Erfolg dir lange vorenthalten? Wie lange noch?
„Ich überlebe es nicht,“ erkannte er, starren Geistes. „Ich weiß besser als sie, wie es steht mit mir. Sie nennen es Größenwahn und Verfolgungswahn. Sie wissen nicht, daß ich schon versucht war, den Fischer anzufallen und den Medizinalrat. Heute ist es mit mir durchgegangen. Das Haus wirkt, ich bin verloren.“
Die Hände um das Gesicht, neigte er es, in betender Haltung. Furchtbar, hier zu sein, und furchtbar, wieder hinauszugehen, allein auf immer mit deiner Kraft, ob sie aushält — deine Kraft gegen die Welt . . . Da sagte Gott ihm: „Nicht allein! — und keine Sendung, die nicht alle haben. Ihr alle sollt hinausgelangen in der Vernunft des Menschen, einer gestützt auf den andern, und nicht einer dürfte fehlen. Der Bettler Dinkl ist so würdig wie du.“
Es ward Morgen, Balrich schlief ein.
Er erwachte müde, aber noch unruhig. Das Hin und Her der Gedanken, dann bald wieder Schlaf, den halben Tag, die ganze Nacht, — und kaum ward es hell, verlangte er nach dem Arzt. Es zeigte sich, daß er erwartet wurde, im Garten.
Der Garten war grün, die Wege auch, und auch die Bretter, die ihn hoch einzäunten. Man sah nicht weit, wilde Büsche schoben sich vor, oder eine Baumkrone schwebte groß herab bis in das Gras. Durch das Gras manchmal huschte jemand oder stolzierte. Einer nur ließ sich länger blicken. Am Ende des Gartens lang und hager stand er, das Gesicht erhoben in die grünliche Luft, und auch mit dem ausgereckten Arm, wenngleich er ihn nicht rührte, grüßte er hinauf.
Der junge Blonde kam herbei, er sagte:
„Herr Balrich, ich habe Sie rufen lassen, weil ich schon jetzt entschlossen bin, Sie zu entlassen. Sie werden sich wundern, denn Sie sind sich bewußt, einiges Auffallende getan zu haben, kürzlich. Auch seitdem waren Sie recht erregt, aber dann habe ich Sie schlafen gesehen, es sah gut aus. Wenn Sie einmal wieder zu viel gearbeitet haben, erlaube ich Ihnen, wiederzukommen und sich auszuschlafen.“
„Ist es nur das?“ fragte Balrich.