Dies hörte Balrich, trübe schweigend, mit an. So wußten sie nichts und kannten noch nicht den Lauf der Dinge. Was hatten sie denn auch erfahren. Sie waren, nicht ausgesondert, in ihrer Seele angetastet und die schwere Nacht der Selbstprüfung allein gelassen mit ihrem Gott. Sie kamen nicht zurück dorther.
Er versuchte sich; was taten alle diese, wenn drinnen ihre Schwester —. Die? Sie würden es sich gefallen lassen wie Polster — vielleicht noch stolz. Nein! So waren seine Klassengenossen nicht. Herbesdörfer an seiner Stelle ging und schlug ihn nieder, den Hund! In Scham und Zorn machte er sich auf.
Drinnen drehte es sich noch immer, eingeschlafen und von der Welt vergessen. Die Musik spielte wie in dem Karussell, wie für Tiere aus Holz. Balrich sah seine Schwester, die Augen geschlossen, im Arm ihres Herrn immerfort rundum wanken. Ihre Schenkel und seine lagen fest aufeinander, nur die Füße bewegten sich und lebten. Er wäre dazwischen gestürzt, aber sie hielt die Augen geschlossen, wie durfte er sie wecken.
Der Tanz endete, Balrich sagte ihrem Herrn, er werde seine Schwester um den nächsten bitten, — und der nächste begann schon. Er führte sie und sagte:
„Du bist schöner heute als sonst, woher kommt das?“
Sie lachte schläfrig. Am Rande des Saales begegnete er dem flehenden Blick der armen Thilde. Er lachte auf, so schmerzlich wild, daß Leni endlich ihn ansah.
„Ich denke immer,“ sagte er an ihrem Ohr, „dies ist dein Fest, deins allein — auf Villa Höhe, und die Herrin bist du.“
„Wer weiß,“ flüsterte sie und öffnete ihren Goldblick. Sie lachte, den Kopf im Nacken, er pfiff die Musik mit, und sie begannen zu schaukeln.
„Mit Blumen bewerfen sie dich auch,“ bemerkte er zwischen dem Pfeifen. Sie erschrak lachend, denn wirklich, eine Rose fiel ihr auf das nach oben gewendete Gesicht. Da sah er, Horst Heßling war es, er griff in den Korb der Blumenverkäuferin, warf nach ihr und traf sie immer. Er hatte eine selbstsichere Miene. Balrich, im Tanzen, stieß hervor:
„Sieh dich nicht um! Du hast ihn schon zu viel angesehen. Du wirfst dich weg, woher ist dein Kleid, du bist eine Dirne, unsere Schande, ich laß dich bessern in einer Anstalt.“