„Und du? Aus welcher kommst du?“ sagte sie ihm frech in die Augen, und hatte an der Nasenwurzel dieselbe Falte wie er.
„Grade du!“ Sie strebte fort von ihm, aber er zwang sie, weiterzutanzen. „Du als erste sagst mir das, — und ich war dort, weil ich nicht will, daß ihr Bettler und Dirnen seid.“
„Wenn ich aber eine sein will?“
Da zwang er sie nicht weiter. „Geh!“ schnaubte er; aber jetzt blieb sie, und beide aus ihren weißen Gesichtern schnaubten sie und kamen nicht los. Der Bruder sagte endlich:
„Danke Gott, daß ich — dorther — komme. Dann ist alles arm und kurz, man hat Mitleid. Sonst schlüge ich dich nieder.“
Horst Heßling trat herzu, er hatte gehört. „Aber Herr Balrich! Sie als zukünftiger Akademiker! Aus der moralischen Enge Ihrer bisherigen Klasse müssen Sie doch auch bald heraus sein.“
„Gedulden Sie sich noch etwas!“ sagte Balrich, und drehte den Rücken.
Draußen bei den Männern ging es still zu. Niemand kegelte, sie standen in einem Halbkreis um den Oberinspektor, — aber auch Jauner war wieder da. Jauner ohne Handschellen, ohne Gendarmen, Jauner mit dem Gesicht der triumphierenden Unschuld. Der Oberinspektor hatte ihnen erklärt, daß irren menschlich sei, und zusammen mit dem ganz vertatterten Kraft Heßling ging er seiner Wege. Jauner, möglichst unscheinbar, machte sich hinterher.
„Aufgeschoben ist nicht aufgehoben,“ versicherte Herbesdörfer. „Den trifft es.“ Und hinter seinen runden Gläsern glotzte er fanatisch.
Wie sie es nur hätten machen können, fragten die anderen. Dies wußte auch er nicht. Es schien, Kraft Heßling bei der Untersuchung gab an oder stotterte etwas, das der Oberinspektor so auslegte, als habe der Herr Kraft den Jauner beauftragt, in seinen Rock zu greifen und ihm die dritte Zigarettentasche zu bringen. „In der Faust aber, als ich ihn faßte,“ schwur Herbesdörfer, „hat er die Brieftasche gehalten; — und da haben die Lumpen getan, als wüßten sie es nicht mehr, und haben nach Villa Höhe telephoniert.“