„Was?“

„Das kann ich nicht wissen, ich mußte hinausgehen . . . Aber sie haben untereinander geflüstert, und auf den Jauner, das ist gewiß, haben sie eingeredet, bis er ganz hin war. Wie sie herauskamen, hat er geschlottert.“

Da sahen alle zu Boden, — und als sie, einer nach dem anderen, sich ihre Blicke zeigten, las jeder: „Wir sind verraten.“

„Den trifft es,“ wiederholte Herbesdörfer.

Ein Stück vor ihnen den Balrich, wie er die Stirn gesenkt hielt auf seine verschränkten Arme, den streifte jeder nur, scheu, ahnungsvoll. „An dem geht es aus. Sie haben ihn schon verrückt machen wollen, weil sie nichts wußten. Jetzt wissen sie es, was werden sie ihm noch antun.“ Die Arbeiter trennten sich, jeder für sich allein bedachte, was bevorstand. Aber begegneten sich zwei, sagten sie heimlich: „Der macht es doch.“

Indessen schien es, daß die Musik im Tanzsaal immer lauter ward, und jetzt, was war dies, kam sie leibhaftig aus der Kantine. Die Musikanten waren rot wie Zinnober, manche auch schwitzten bleich, und alle, wie auf Befehl im Parademarsch, warfen die Beine. Ein Abstand, — dann aber, man wollte es nicht glauben, ein Paar, Leni Balrich mit Horst Heßling. Die Köpfe erhoben gegen alle die Blicke, tanzten sie hervor. Leni raffte den Rock bis zum Knie, und so, mochten doch alle um sie her zusammenlaufen, tanzte sie in den Staub . . . Ihnen nach, andere Tänzerpaare, puppenhaft springend, als müßte es so sein, mit Gesichtern, die selbst nicht wußten, was vorging.

Die Arbeiter vom Kegelklub wichen, machten freie Bahn, — und über die Bahn lief eilends das Kegelschwein, verfolgt vom Fluchen und Gelächter. Die Tänzer ließen sich nicht stören, drehten sich, verbreiteten Staub; und Staub verbreiteten die Kinder, die vom Karussell herbeiflogen und sich drehten. Hurra! schrien noch die Leute und verschwanden schon im Staub, worin unsichtbare Hunde kläfften und die Tanzmusik mit der des Karussells irr und wild ineinander verbissen waren. Dazu, vom Neubau herab, von den Witzbolden sausten Hüte in die quirlende Menschheit, — indes erhaben über sie, aus seinem Dachfenster der wissende Geist Klinkorum sie verachtete wie noch nie.

Von der Friedhofsmauer die Trinker winkten mit Flaschen, was die Musikanten bestimmte, die Beine dorthin zu werfen. Auf, hinterdrein, Sprung, Schleifschritt, Schleifschritt, Sprung, und vom Friedhof winken die Flaschen. Wer stößt da, man sieht ihn nicht? drängt sich hindurch nach der Gegenseite? Verschwindet? . . . Leni, die Augen geschlossen, tanzte, vorbeigeführt von ihrem Tänzer an den Steinen, an dem Kot . . . Da hob er sie, sie sah, in ein Auto. Sie war gefangen in ihrem engen Kleid, er hob sie hinein. Los!

Von rückwärts aber, glatt wie eine Katze, stieg im Fahren noch einer ein. Schwingt sich hinein, stößt zu. Horst Heßling fand sich plötzlich neben seinem Bruder Kraft auf dem Rücksitz, und bei Leni saß Balrich. Horst rief Halt; — aber kaum stand der Wagen, bedachte er die verbogene Mütze des Menschen dort, seine pathetisch eingesunkenen Züge, dies Halstuch; und er folgte dem Angstgeflüster Krafts: „Fange nichts an mit dem Apachen!“ — „Weiter!“ befahl er.

Balrich griff an die Mütze und bemerkte fest: