Statt dessen erschien der Piero, sie erblickten einander und gingen sich, von Mondschein getroffen, entgegen. Droben heulte es auf:
„Noch einmal! Noch einmal!“
„Morgen noch einmal!“ rief Galileo Belotti, und das brachte sie vollends auf.
Die beiden standen, die Arme schwach erhoben, voreinander. Man sah ihre geöffneten Münder und hörte nichts.
„Von vorn! Die Tonietta!“
Die Primadonna führte ihren hellen Blick über das Publikum, senkte ihn verächtlich auf den Kapellmeister und hob, immer singend, die Schultern. Auch der Tenor hob sie, und er hielt der Menge beteuernd seine flache Hand hin. Dem Kapellmeister war es kalt geworden. Er sah nicht mehr vom Pult auf. Die Einsamkeit um ihn her ward tödlich. Einen Augenblick schien ihm, als habe ihn sogar sein Orchester verlassen und schweige. Auf der Flucht vor der Meute dahinten war er an den Rand eines Abgrundes gelangt. Ermüdeten sie und blieben zurück? . . . Also gut! Er war im Begriff gewesen, die Hand fallen zu lassen, sich zu ergeben. Mit der Linken wischte er sich die Stirn.
„Man hört nichts! Buffonen! Auch wir haben bezahlt!“
„Ruhe! jetzt kommt ja das Schönste!“ rief die joviale Stimme des Herrn Giocondi. Von droben kamen die der Mägde:
„Achtung auf die Harfe der Nina!“
Und um ihretwillen ward es still. Frau Zampieri in der ersten Parkettreihe beugte sich vor, um verklärten Gesichtes durch die Saiten der Harfe zu spähen. Dahinter saß, weiß wie eine Blüte, ihr Kind und machte, daß alle schwiegen. „Wir konnten keinen Puder kaufen, aber dennoch sind ihre Arme sehr weiß.“ Alle schwiegen; nur noch ganz leise Violinen umhauchten Ninas Töne, die wie Mondstrahlen dahinzogen und zergingen. Endete sie, dann war gewiß auch von der Bühne droben der Mondschein gelöscht und Tonietta und Piero waren stumm. Frau Zampieri zog in ihrem grau gewordenen schwarzen Kleid die Schultern nach vorn, aus Furcht, diese Klänge möchten enden.