Da ging ihre Tür auf: die Sängerin streckte ein strahlendes Lächeln hervor.

„Herr Präfekt,“ — und sie knixte tief, „Eure Exzellenz möge meine Frisierjacke verzeihen. Ich bin stolz, Sie bei mir zu begrüßen. Herr Advokat —“

Sie reichte auch ihm die Hand mit dem Rücken nach oben, und er drückte eifrig den verlangten Kuß darauf.

„Ein Mißverständnis hat zwischen uns gewaltet. Sie begreifen die Aufregung einer Anfängerin. Auch werden Sie mir glauben, daß ich Ihr Lob nicht vermissen möchte . . . und auch Ihre Blumen nicht“, setzte sie mit einem schelmischen Blick hinzu.

Herr Fiorio war dabei, der Künstlerin seine volle Bewunderung auszudrücken.

„Aber — sie haben ein wenig gelitten“, stotterte der Advokat. Sie streckte die Hand aus.

„Das macht nichts, sie kommen von einem Freunde“, — und sie entriß dem Apotheker die Blumen.

„Wenn ich je Gelegenheit habe, der größten Sängerin zu nützen, deren Anfängen ich beiwohnen durfte —“ sagte der Unterpräfekt.

„Ich bin belohnt durch Ihre Worte, mein Herr . . . Ich darf die Herren nicht bitten, es sich bequem zu machen: Sie sehen mich beim Umkleiden.“

Herr Fiorio verabschiedete sich. Der Advokat wollte gleich den anderen hinterdrein, aber beim Betreten der Bühne hielten zwei Arbeiter ihn auf; alles schrie, lief durcheinander und verwirrte ihn, und eine Kulisse, die hereingeschoben ward, wäre ihm fast gegen den Schädel gefahren. Flora Garlinda war plötzlich da und zog ihn rechtzeitig fort. Er hatte einen großen Schreck bekommen.