„Sie haben mir das Leben gerettet! Wie kann ich Ihnen danken!“
„Sie werden mich rächen, lieber Freund. Denn ich darf als sicher annehmen, daß Sie es sind, der den Bericht für die ‚Glocke des Volkes‘ schreibt. Sie werden also den Versuch des Maestro, mich zu unterdrücken, als die feige Tat kennzeichnen, die er ist.“
„Mit Vergnügen,“ erwiderte er, „das heißt, um Ihnen gefällig zu sein. Aber freilich auch die Verdienste des Maestro dürften nicht —“
„Herr Advokat —“
Sie trat einen Schritt zurück.
„— ich mute Ihnen nicht zu, gegen Ihre Überzeugung zu schreiben. Wenn Sie ihn loben, weiß ich, daß Sie seinen Haß gegen mich teilen. Wir haben uns in diesem Falle nichts mehr zu sagen.“
Da er bestürzt abwehrte:
„Oder irre ich mich? Stehe ich dennoch endlich einem Manne gegenüber, der nicht wie die anderen ist und der für die Wahrheit ein Opfer bringen kann? Sie werden vielleicht angefeindet werden; der Maestro ist ein Intrigant; wie ich erfahren habe und beweisen kann, gibt er sich für etwas anderes aus, als er ist, und hat nie ein Konservatorium besucht; — und Sie sollten wirklich Ihren ganzen Lohn in dem Bewußtsein finden, daß Sie einer Frau Gerechtigkeit verschafft haben?“
Der Advokat warf sich in die Brust und preßte die Hände darauf.
„Meine bisherigen Erfahrungen verbieten mir, es zu glauben“, sagte die Primadonna und bewegte langsam das Gesicht hin und her, dessen verschämte Weichheit ihn bezauberte. Die blauen, verschleierten Augen waren die eines Kindes.