„Bravi! Bravo der Gennari!“
„Ich brauche einen Menschen,“ dachte sie, „der etwas Stärkeres hat als seine Eitelkeit: einen Haß wie ich, damit er verschwiegen ist. Und das Geld der Nardini muß ihm eine furchtbarere Begierde machen als dem Gecken Salvatori; er muß arm und ehrgeizig sein, damit er ohne Bedenken ist.“
Da überraschte sie den Blick, den der Mann neben ihr unter seinen gewulsteten Brauen auf den jungen Tenor warf. Der vom Neid gekrümmte Mund des Savezzo, die graue Blässe seiner pockennarbigen Haut schienen ihr Glück zu versprechen, die Muskeln seiner verschränkten Arme erquickten sie. In seinen Lackschuhen sah sie schwarz verschmierte Sprünge: da entschloß sie sich.
„Mein Mann wird mich draußen suchen. Jetzt müssen Sie mich begleiten, Herr Savezzo.“
„Es lebe der Advokat!“ rief es hinter ihnen her, und wie Frau Camuzzi sich umsah, machte auf der Bühne, als mittleres Glied der Kette von Gefeierten, der Advokat Belotti seine Kratzfüße. Ihr Mann stellte sich gerade ein; Frau Camuzzi lächelte ihm heiter zu.
„Sie vergessen zu rufen: es lebe der Gemeindesekretär!“
„Bravo, Advokat!“ — und auf der Galerie hing alles in einem Knäuel hoch über seinem Kopf. Er sah verklärt hinauf.
„Weine nicht mehr, Cölestina“, sagte droben der Schuster Dante Marinelli. „Sie konnten nicht länger leben; es ist besser, daß der Piero ein Ende gemacht hat.“
„Aber ist nun etwa sie schuld?“