„Aber mein Mann“, sagte droben Frau Camuzzi, „trägt einen besser gemachten Frack. Finden Sie nicht, daß dieser Advokat etwas sehr Vulgäres hat?“

Savezzo erwiderte:

„Also ich zähle auf Sie, gnädige Frau. Sollte ich aber falsch gezählt haben,“ — und er verschränkte die Arme; sie sah seine Muskeln anschwellen — „dann würde ich freilich machen, daß der Komödiant alles ausplaudert, was er von den Damen der Stadt weiß.“

Sie begegnete seinem drohenden Blick leise von unten, indes sie mit dem Fächer spielte.

„Und auch von den Männern?“ fragte sie sanft. Dann erhob sie mit einem offenen Lächeln den Kopf.

„Wir verstehen uns, Herr Savezzo, und wenn wir uns niemals mißverstehen, können wir sehr stark sein. Wer weiß, was aus uns geworden wäre, aus einem Manne von so großem Talent, aus einer vielleicht nicht ganz gewöhnlichen Frau, wenn wir anderswo hätten leben können, in einer großen Stadt —“

Er fiel ein:

„— unter Menschen ohne Vorurteile, in einem wütenden Spiel von Interessen und Leidenschaften. Wem sagen Sie es? Sie treiben vom Grunde meines Daseins mit einem Hebeldruck alle Bitterkeit herauf. Dort wäre man vielleicht ein Politiker, der eine Welt in Bewegung setzt, der Liebhaber mächtiger Damen, ein großer Dichter, durch den das nationale Gewissen spricht. Zu allem fühle ich mich berufen. Hier gehört man keiner der herrschenden Familien an, und damit ist man abgetan und zum Neide verdammt auf jeden, der hervorragt.“

„Hier hat man einen Mann, der Gemeindesekretär ist und bleibt. Hier muß man heucheln: heucheln um sein Vergnügen, heucheln um seinen Schmerz.“

„Ist es vielleicht die Falschheit des ganzen Jahres, die uns heute abend gegeneinander so offen macht?“