„Oder“, murmelte Frau Camuzzi und drückte, sehr bleich, die Lider zu, damit die Träne nicht hinausrinne, „ist nicht nur der Maestro durch jene Musik in Aufruhr gebracht?“

Schweigend stiegen sie die letzten Treppen hinab; drunten fuchtelte der Advokat.

„Wäre ich die Persönlichkeit geworden, für die alle mich halten, wenn ich nicht Sie gehabt hätte, Camuzzi? Vielleicht mußte Ihr Widerspruch meinen schöpferischen Drang anstacheln, damit Waschhaus und Theater, Vizinalwege und Licht entstehen konnten. Zuweilen denke ich mir: wenn einst der greise Vertreter unserer politischen Wählerschaft zurücktritt —. Sie verziehen das Gesicht, Camuzzi, aber der Cavaliere Lanzerotti wird dennoch zurücktreten, und kann sein, daß das Volk mir selbst die Ehre erweist, mich als seinen Deputierten in die Hauptstadt zu schicken —: dann, so denke ich mir, wäre es gut, wenn ich auch in der Kammer Sie, Camuzzi, wiederfände; denn Sie würden mich größer machen . . . Ich sei groß in Worten, sagen Sie? Sie wissen nicht, Freund, was Begeisterung ist, sonst wären Sie heute abend begeistert!“

Er streckte den Ankommenden die Hände hin.

„Wie gnädige Frau? Bewegung und Tätigkeit, das ist alles, und das lehrt uns die Musik des Maestro Viviani!“

„Eine Frau kann nicht handeln,“ sagte sie; „und daß ich bei den Komödianten war, werde ich morgen dem Don Taddeo beichten müssen. Inzwischen werden die Gewissensbisse mich nicht schlafen lassen.“

„Ich wußte, meine Liebe, daß es so enden würde“, sagte Camuzzi.

„Und der Maestro?“ rief der Advokat die Gasse hinauf. „Wir haben ihn verloren?“

Der Kapellmeister winkte, bevor er sich von der Rampe losriß, noch einmal in das Dunkel der Höfe und Häuser hinab, das ihm voll lauschender Atemzüge schien.

„Ja, ich werde euch wohltun! Durch mich werdet ihr glücklicher werden und einander lieben. Ein Mädchen, das meine Arie aus einem Fenster singt! Ein Junge, der mit seinem Korb voll Gipsfiguren durch den Staub zieht und dem eine Melodie von mir die Straße weniger heiß macht! Werde ich nicht sein wie ein König, dessen Bild auf allen Münzen, in allen Händen ist? — und dessen Bild ein Sinnbild des ganzen Volkes ist!“