„Du weißt ja nicht: ich singe ihr vor, ihr ganz allein. Ah! du weißt nicht: ich habe eine Schlange getötet, die daran war, sie zu beißen.“

Er strich sich das Haar zurück, seine Brust dehnte sich, ein kraftvolles Lächeln ging durch seine Züge. Gaddi betrachtete ihn.

„Ich leugne nicht, daß du aussiehst wie ein Gott. Aber man kann nicht alle Tage Schlangen töten; und auch das Singen ist eigentlich keine Beschäftigung für das ganze Leben.“

Das Lächeln des Glücklichen erlosch auf einmal; er ließ ein bleiches, abgespanntes Gesicht auf die Brust sinken.

„Was ist fürs ganze Leben“, murmelte er. „Wenn ich umkehrte und zurückginge, gleich jetzt, gleich jetzt: bin ich denn sicher, sie noch zu finden, noch die Liebende zu finden, die ich erst eben verließ? War nicht alles ein heftiger Traum?“

Da Gaddi ehern lachte:

„Ich bin verrückt, wie? Sage mir, daß ich einfach verrückt bin!“ — und er stimmte ein. In den Fenstern ihres Hauses keuchte Mama Paradisi: „Sieh, Geliebter, unser umblühtes Haus“; eine ihrer Töchter schrie blechern über den Platz das Gebet der Tonietta, indes die andere brummte: „Ich habe ein Recht auf eure Weiber, ich bin der Herr.“

„Und meine Frau!“ sagte der Barbier Nonoggi, der herbeihüpfte. „Sie singt schon, seit sie aufgewacht ist: ‚Welche Erlösung, nicht mehr von Liebe zu wissen‘, und doch erinnere ich mich nur zu gut, daß sie noch diese Nacht davon gewußt hat.“

Nello schüttelte sich. Die Herren Polli und Giocondi trafen ein und klopften dringend auf den Tisch.

„Einen Vermouth, Gevatter Achille, der Tag wird heiß werden. Siehst du, wie hoch es bei der Konkurrenz hergeht?“