Er hatte im Nacken ein Huhn! Die Barbiere Macola und Druso schlugen mit ihren Streichriemen blind um sich, aber die Hühner flatterten nur noch wilder im Gedränge. Coletto und die Buben scheuchten sie immer wieder hinein. Man schrie, bedeckte sich die Gesichter, stob auseinander. Galileo Belotti drehte einem Hahn den Hals um; aber da fiel mit ihrem Gegacker, lauter als das der Hennen, mit ihrem Schnabel und ihren langen Armen, die Flügel schlugen, die Hühnerlucia über ihn her. Er rettete sich mit den andern ins Café „zum heiligen Agapitus.“ Statt seiner erwischte sie den Advokaten und fuhr ihm mit den Krallen ins Gesicht. Er rief, die Augen geschlossen:

„Zu mir! Zu mir!“

Niemand kam; nach allen Seiten floh man; und von Panik ergriffen, warf der Advokat sich zu Boden.

Die Hühnerlucia ließ endlich ab von ihm; er hörte sie das Federvieh in ihre Gasse zurückscheuchen: — da berührte ein feuchtes Tuch, wie eine Liebkosung, sein Ohr, das blutete, und er fand das zärtlich gepolsterte Gesicht der Frau Jole Capitani über sich geneigt.

„Sie sind doch nicht schwer verwundet, Advokat?“ sagte sie.

„Ihr Anblick, schöne Dame, heilt alles“, erwiderte er und stand auf. Rasch überzeugte er sich, daß der Platz in der Mitte leer und an den Rändern voll Verwirrung war. Sie waren unbeobachtet. Er streifte an ihren Arm und sagte:

„Haben Sie mir in diesem schlimmen Augenblick das Zeichen geben wollen, um das ich Sie so sehnsüchtig bitte?“

Sie schlug nur die Augen nieder.

„Man wird uns sehen“, äußerte sie dann und zog sich zurück. Der Advokat sah ihr nach, er vergaß sich abzustauben.

„Ah! die Frauen. Würde man große Dinge tun wollen, wenn nicht sie wären?“