„Alle schlafen dorthinten, unbekannt. Mich kannten Tausende, die schon starben. Frauen, die noch jung sind, haben von mir geträumt und Knaben sich an mir begeistert.“
„Warum geht dieser Alte nicht zu Bett? Wie sollen wir vorüberkommen? Das Kloster droben ist geschlossen, und nicht Amica ist morgen früh die Pförtnerin.“
„Auch hier, o Alba, lieben wir uns.“
Der Alte wendete das Ohr dem dünnen Plätschern des Brunnens zu.
„Ja, das war das beste: im Garten meines Meisters; ich hatte schwarze Hände von der Arbeit, und ich sang. Niemand achtete auf mich, — Giulietta aber ließ ihre Wäsche liegen und hörte mir zu. Vom Waschbrunnen rann es: ja, so rann es, und dies war meine Stimme . . .“
„Wir wollen es wagen. Ganz sacht, mein Geliebter, durch den Mondschein. Um die Ecke ists dunkel, und wir sind in Sicherheit.“
„O, daß mehr Gefahren kämen, damit ich dich mir aus ihnen rette, meine Geliebte!“
„Giulietta war fünfzehn Jahre alt, ich siebzehn. Hatte sie wirklich an ihren bloßen Füßen diese rosigen Nägel? Wie sie auf meinen Händen welk sind! Weder die Frau des Schneiders, noch Rina, die Magd, werden mich wollen, wenn sie meine Nägel sehen.“
„Jener Alte mag nun weiter schlafen. Was weiß er, wie du küßt. Küsse mich, Alba!“