„Denn alle Laster — und die Stadt hat sie alle — sind eins. Sie kommen alle daher, daß wir Gott nicht lieben. Das höchste Gebot heißt, wir sollen Gott lieben und unsern Nächsten. Aber wir liebten sie nicht: darum verdarben wir.“

Und mild eindringlich, überallhin, wo ein Schluchzen sich löste: „Denn wir lieben auch Gott nicht, wenn wir unsern Nächsten nicht lieben. Es ist nicht wahr. Es genügt nicht, einen Geist zu lieben, der Gott heißt. Liebt die Menschen, dann liebt ihr Gott!“

Er sah Frau Acquistapace an, in der vordersten Bank.

„Sei gut und duldsam gegen deinen Mann, und du liebst Gott, auch wenn du nicht jede Woche beichtest.“

Vor den Bänken der Bürgerfrauen, gleich zu seinen Füßen, hockten hinter ihren Strohstühlen die kleinen Leute. Er neigte die Augen zu ihnen.

„Hasse den Krämer Serafini nicht,“ sagte er zu der Frau des kleinen Zollbeamten Cigogna vom Tor; „wenn er schlecht gewogen hat, denke, daß er sechs Kinder hat . . . Sprich Gutes von der Rina,“ sagte er zu Elena, der Arbeiterin des Schusters Malagodi, „obwohl sie dich verklatscht hat.“

Und zu der Pipistrelli:

„Verfolge die Sünder nicht! Wir sollen weder die Komödianten noch den Advokaten verfolgen, denn was sind wir selbst. Wenn die Stadt brennt, wo ist dann der, der nicht mitschuldig wäre, weil seine Sünden das Feuer herabriefen.“

Don Taddeo seufzte und schloß die Lider.

„Was sagt er? Was will er?“ — und bei den Männern in dem Raum zwischen den Bänken und den Pfeilern ward es unruhig.