„Ach ja, ich weiß wohl, daß das schön ist“, — und er dirigierte ganz leise, den Kopf auf die Schulter gelegt, mit einem verkniffenen Lächeln.
„Und es ist so schön, dieses Graduale, weil ich es in jener Nacht erfunden habe, als Flora Garlinda so böse war und mich so unglücklich machte. Wie gut, daß ich jene schlimme Nacht gehabt habe! Damals zeigte sich, daß alles, was ich um sie gelitten hatte, in diesen ‚Fortschritt des geistlichen Lebens‘ paßte; und als er fertig war, da war ich sicher, ich hätte sie gewonnen, und vor Freude machte ich sogleich mein Halleluja.“
Den Taktstock in der Schwebe, sah er nach Don Taddeo aus. Das Herz ging ihm auf einmal heftig. „Mein Halleluja! Jetzt kommt es! Nur diese Minute noch leben!“ Und der Stock zitterte.
„Halleluja!“ sang Don Taddeo.
Der Kapellmeister sah fliegend noch einmal alle an. Wie er langsam die Hand senkte, ergriff ein Lächeln fiebriger Seligkeit ihn unwiderstehlich . . . Da zuckte er auf. „Das Tenorhorn! Ich wußte es.“ Er war plötzlich weiß, wie der Pfeiler hinter ihm, hatte wirre Augen und streckte den Hals lang aus.
„Falsch eingesetzt, Chiaralunzi! Versteht sich, Ihr müßt falsch einsetzen.“
„Er tut es mit Absicht, um Euch den Erfolg zu verderben“, zischelte der Barbier Nonoggi über seine Klarinette hinweg, während der Schneider, dunkelrot, das Horn von sich stieß.
„Wie? Ihr wagt mittendrin aufzuhören? Ich tue Euch unrecht? Dann also“ — und der Kapellmeister sprang, die Arme erhoben, vom Podium, „nehmt doch Ihr den Stock, Ihr werdet es besser machen, Ihr kennt meine Musik besser als ich.“
Einer nach dem andern senkte sein Instrument, der Chorgesang versiegte. Die Orgel allein führte das Halleluja zu Ende, und nur noch Nina Zampieri ließ ein paar Harfentöne hineinfallen, wie Tropfen in ein Gewitter. Der Schneider hatte seinen Stuhl umgeworfen; sie standen sich gegenüber. Dem Kapellmeister quollen die Augen hervor, sein Gesicht lief blau an. Er griff sich an den Hals. Ganz heiser:
„Ihr glaubt, Ihr versteht etwas von Musik, weil Eure Frau mit einem Tenor schläft.“