„Ah! das Fräulein Italia. Sie ist gerade noch entwischt, dank Don Taddeo . . . Es freut mich so sehr, Sie gesund zu sehen, Fräulein . . . Er ist droben, Don Taddeo, im Zimmer des Eimers. Der Advokat hat schon nach Ihnen gefragt.“
Man hörte ihn sprechen. Wie Italia auf der Schwelle erschien, brach er ab.
„Treten Sie ein, Fräulein! der Eimer erwartet Sie, er hat dreihundert Jahre auf diese Stunde gewartet. Sehen Sie ihn an, Fräulein, sehen Sie ihn gut an!“
Italia sah hinauf, wo er hing; es waren morsche kleine Bretter, die auseinanderklafften und durch eiserne Ringe vor dem Herabfallen behütet wurden; — und dann suchte sie, zweifelnd, die Gesichter der andern. Don Taddeo blickte, die Hände zusammengelegt, durch das Fenster starr ins Leere. Flora Garlinda verzog den Mund, und der Cavaliere Giordano hatte einen Taschenspiegel hervorgeholt. Hinter der Menge sah sie Nello Gennari sich heimlich wälzen, wie ein Junge; Gaddi mußte ihn halten; da wagte Italia es.
„Mit dem Eimer könnte man kein Wasser schöpfen“, sagte sie.
„Aber eine Lehre läßt sich damit schöpfen“, erwiderte der Advokat pünktlich. „Dieser Eimer, ein so armes, verbrauchtes Ding er scheinen mag, lehrt uns dennoch“, — und der Advokat erhob die Stimme, „den Glauben an den menschlichen Fortschritt!“
Er bewegte die gerundeten Arme, als zöge er alle herein, die über die Schwelle des vollgestopften Gelasses die Hälse reckten.
„Denn als wir ihn zum erstenmal eroberten, da war es ein großer, grausamer Krieg, in dem die von Adorna so viel Blut lassen mußten, daß man den Eimer damit füllen konnte. Jetzt aber: niemand ist unterlegen. Wir alle bleiben Sieger, da jeder sich selbst besiegt hat und jeder entschlossen ist, nur noch im Wettstreit des Guten mit dem andern zu kämpfen!“
Er ließ, mit glänzendem Lächeln, den Beifall verrauschen.
„Sie aber, Fräulein Italia, umarmen Sie Ihren Retter, wie wir alle ihn umarmen; denn er rettete nicht nur Sie.“