Und er glaubte es, — so gut er auch wußte, daß heute nacht, als alle ihn verleugnet hatten, die Geliebte nicht stärker gewesen war als alle. Er drückte die Hände, wie sie kamen; und wo er sie zaudern sah, als hielte ein befangenes Gewissen sie auf, da zog er sie an sich.

„Eh! Scarpetta, die Lieferungen für das Rathaus sind heute nacht nicht mitverbrannt . . . Wie denn, Malagodi! das sind menschliche Irrungen, und im Grunde haben wir nie vergessen, daß wir zueinander gehören . . . Man sagt mir, Crepalini, Ihr fürchtet für Euren Vertrag? Welch seltsame Einbildung. Dagegen bitte ich Euch, wenn die Komödianten wiederkommen, um einen bescheidenen Platz in Eurer Loge, denn die mein war, wird dann Euer sein.“

Da er an den Apotheker geriet:

„Und du, Freund Romolo? Diese Freudentränen, man darf es sagen, haben wir uns verdient.“

Sie umarmten sich. Der alte Krieger stammelte am Hals des Freundes:

„Ich kann in die Hölle kommen; aber das eine weiß ich: aufhängen werde ich mich niemals mehr, — da ich es heute früh nicht getan habe.“

Der Advokat drückte ihn fester; — wie er aber dann das Schnupftuch zog, hatte er plötzlich ein paar andere Arme um den Hals, und noch eins und noch eins. Billiger Puder stäubte ihn in die Nase, Federn kitzelten ihn; grelle kleine Stimmen, mehlweiße Stumpfnasen und bunte Fähnchen, alles wirbelte um ihn her.

„Du bist der schönste Mann der Stadt, Advokat, mit deinem Schlüssel am blauen Band . . . Wie glücklich bin ich, daß Sie wieder gesund sind . . . Nie werden wir unsern Direktor vergessen . . . Keiner mehr gibt uns solche Vorschüsse . . .“

Der Advokat sträubte sich, er lugte nach Jole Capitani umher. „Seid gut, Kinder“, murmelte er. Die kleinen Choristinnen lachten auf, alle auf einmal, und entflatterten. Die jungen Leute in großen Hüten und bunten Halstüchern fingen sie ein.

„Alle hierher!“ rief es vom Café „zum Fortschritt.“ „Die Herren zahlen.“