Er begriff. Sie wollte ihn ganz: auch am Schreibtisch. „Sie fürchtet, ich verstecke mich vor ihr, wenn ich dichte; ich enthalte ein zweites Leben ihr vor. Wenn sie wüßte, wie sehr sie irrt!“

Sie hatte den Schlüssel in der Schieblade bemerkt, sie stürzte sich darauf, riß das Manuskript heraus.

„Da haben wir dich! Also das zeigst du mir gar nicht. So etwas Schönes!“

Es war das erstemal, daß er sie einen Gegenstand mit Achtung berühren sah. Sie legte die Blätter wohlgeordnet auf den Tisch.

„Da, setze dich hin!“

„Ich soll schreiben? Gemma, was denkst du, ich hab’ mich drei lange Tage nach dir gesehnt!“

„Ich mag dich nicht — wenn du nicht schreibst.“

Er gehorchte. Er blätterte, unklaren Kopfes, in dem Fertigen, besann sich mühsam auf den nächsten Satz, den er schon gewußt hatte. Er schrieb ihn hin, dann war’s aus. Wie er aufsah, stand Gemma ganz nackt da, und die Arme halb erhoben.

„Nun schreibe,“ sagte sie leise, mit Ehrfurcht.

Er saß aufrecht und blaß und biß sich die Lippen. Sie tänzelte; er fühlte sie wie eine große, sehr weiße Blüte, bewegt von heißem Luftzug, um sich herschwanken.