Er wandte sich weg, drückte, sinnlos vor Angst, auf die Klingel. Er eilte zur Tür. Die Sterbende rang nach Atem, sie schrie gellend:

„Mörder! Du Mörder!“

Er fuhr herum, und weiß wie sie, und die Augen weit wie ihre, begegnete er nochmals ihrem vollen Blick.

Draußen gingen Schritte. Der alte Niccolo trat auf die Schwelle, brach in Geschrei aus und lief davon. Die Tür war offen geblieben, im Hause entstand Lärm.

Mario Malvolto starrte noch immer in die Augen seiner Geliebten, die tiefer erloschen.

„Mörder,“ sagten seine fahlen Lippen. „Du hast recht. Ich hab’ dich beschlichen, hab’ mich in dein Leben eingeschlichen, in das Leben der Starken, habe ganz leben, ohne Vorbehalt lieben und endlich Mensch sein wollen. Auch sterben wollt’ ich, wie Starke sterben: auf einmal. Verzeih mir, das war ein Irrtum. Ich hab’ dich nicht betrogen. Ich glaubte. Erst da es Ernst werden soll, merke ich, es war Komödie. Auch das war Komödie, wie alles übrige. Verzeih mir, geliebtes kleines Mädchen. Es ist nicht einfache Feigheit — es ist nur, weil man sich zum Schluß einer Komödie doch nicht wirklich umbringt.“

Da hob er die Waffe vom Boden.

„Und ich tu’s doch! Sieh nur, ich tu’s!“

Er riß sich das Hemd auf, zeigte ihr die Dolchspitze auf seiner Brust.

„Siehst du’s? Und erkennst du’s an? Ich tu’s, weil du zusiehst, nur für dich!“