Sie wichen zurück. Als Krupas vorbeikam, sah ich seine Stirn so voller Falten, wie wenn sich im Tempel der innerste Vorhang bewegt.

Da stieg ich, immer spielend, zum Vorgebirge hinauf, wo der Himmelsrand lang und hell ist zwischen zwei singenden Pinien und Pan auf das Meer hinab lacht.

„Du lachst, Pan,“ sagte ich, „Mit dir lacht das Meer und die Erde; und ihr habt wohl recht, denn zu vielem Guten taugt alles Geschaffene. Nur Mnais ist glücklos und schlecht. Lache ihrer und nimm ihre Flöte.“ Ich hängte sie ihm um, bekränzte ihn frisch und ging.

Über den blauen Wäldern begann, als es Abend ward, das weiße Haus des Faustus zu glänzen. Immer mußte ich hinaufsehen, und alle Wege führten ihm entgegen. Nun unterschied ich Säulen und nun Rosengewinde. Wie ich aber am Gartentor ankam, war auch die letzte der hohen Marmortreppen von Laub verschlungen. Umsonst suchte ich sie wieder, am Ende aller Lauben, von den Schultern der Brunnenreiher, aus den Kronen der Bäume, die ich bestieg. Entrückt ist er, liegt den Freunden im Arm und weiß nichts von Mnais. In einem Dickicht schlief ich ein, obwohl aus dem Finstern mich Augen anfunkelten; erwachte beim Grauen und horchte: aber nur Ratten pfiffen zwischen nassem Gestein. Er kam nicht! Er kam nicht in der Nacht, nicht am Morgen und bis zum Abend nicht. „Sie haben ihn mir geraubt für immer!“ Aber im Dunkeln fand ich ihn neben einer Steinbank hingestreckt; Füchse berochen ihn; — und ich kniete nieder, legte seinen Kopf mir in den Schoß und behütete, den Fledermäusen wehrend seinen Schlaf.

So trieb ich’s; im Dämmern erst kam ich; und nur dem Schlafenden, nur dem trunken Heimtastenden näherte ich mich. Einst sah ich ihn, der unter dem Handrücken hervorblinzelte, und um ihn her auf der mondblauen Wiese war ein Ring tanzender Nymphen, deren harte kleine Vogelstimmen ihn neckten und lockten. Das Herz entsank mir. Aber ungestüm brachte Zorn es mir zurück und ich stürzte vor. Da entflohen die Nackten mit Gekreisch, und bewußtlos sank Timander an diese Brust.

Eines Abends dann: nichts ahnend trete ich auf die Lichtung vor sein Haus, da steht er mit vielen Freunden, alle stumm, und hoch auf dem Gerüst, hell und schön, ich selbst: ja wirklich, die Form der Mnais, halb aus dem Marmor getreten. Schon hatte ein Ach mich verraten und sie holten mich Erschrockene herbei.

„Willst du einen Krug?“ fragte Timander mich, „du hast mir Glück gebracht. Die Freunde loben dein Bild und verlangen es von mir in Stein. Ich gehorche. Gehorche auch du und lege dein Kleid ab.“

„Vor uns allen?“ sagte Crassus. „Man sieht, Timander, daß dir die Frauen mit nichts gefällig sein können als mit ihrem Umriß. Was sie sonst etwa noch zu verschenken haben, gönnst du jedem.“

Ich aber, meiner Schande mir bewußt, streifte mit einer Begeisterung, die mir schwindlich machte, das Leinen von meinen Gliedern . . . So stand ich und bot mich preis. „So will ich stehen bleiben,“ dachte ich; „will mich nie mehr rühren. Mnais lebt nur noch in der Hand des Timander, die an ihrem Nacken feilt und dabei ihre Brust umspannt.“ Ja, ich fühlte in meinem Fleisch den Druck, die Wärme, den Schlag seiner Hand, die den Marmor bearbeitete. Noch oft geschah mir’s so, und jedesmal war ich nachher an allen Gliedern wund durch seinen Hammer und glücklich: von einem aufzehrenden, bösen Glück, nach dessen Heilung ich weinte, Tage und Nächte mit Tränen vollweinte, deren er nicht achtete.

Eine andere ward ihrer inne: Rhus, die Zauberin. Sie rief mich an, wie ich vorüberkam. Ich wollte laufen, aber ich hörte: