„Du liebst den Timander!“
Und da mußte ich stehen bleiben.
„Ich wußte es,“ sagte Rhus. „Als ich dich zu ihm schickte, war mir bekannt, welches Geschick dir die Götter bestimmten. Willst du nun, daß er dich liebt?“
Ich drehte mich nach ihr um; aber sehen konnte ich sie nicht, wegen der hervorbrechenden Tränen.
„Dann geh’ und bring’ mir ein trächtiges Schaf.“
Ich holte es eilends. Als ich zurück war, lagen die Erdstufen mit den Ölbäumen im Abendschatten. Die Pforte zu Rhus’ Gärtchen war aus einem einzigen Brett, das ächzte wie in einem bösen Traum; und ungewiß, wie weiße, tote Augen, blickten die Beeren des unbekannten Baumes herüber: ja, wie Augen von Erdrosselten. Das Haus, hoch und schmal, hatte als Rückwand den Felsen, war grau wie er, und steingrau umarmte es der tückische Baum. Ganz in Fels und Baum stak das Haus; aus dem Fenster sah der Ast, der zur Tür hineinwuchs; und deutlich gewahrte ich, daß aus seinem bleichen, schlaffen Laub ein Gesicht sich neigte, das alte Gesicht der steingrauen Dryade.
„Rhus!“ rief ich in Angst, aber sie kam nicht.
„Rhus!“
Da sprach ihre Stimme von oben aus dem Ast:
„Erhebe deine Hand!“