Ich tat es; meiner Hand schauderte, denn klebrig und kalt waren die weißen Früchte, kalt auch und biegsam wie Schlangen die Blätter, und über meinem Scheitel, im Laub, umspannte meine Hand ein Gefäß.

„Verschütte nichts!“ sagte Rhus’ Stimme.

Behutsam hob ich’s herab; es war voll fast bis zum Rand, glänzte dunkel und duftete herb.

„Gib es ihm zu trinken,“ sagte Rhus’ Stimme. „Er wird sterben, aber vorher wird er dich lieben . . . Zittere nicht! Denn was du verschüttest, ist Liebe, die du nie schmecken wirst . . . Sein Tod macht dir Angst? Du stürbest lieber selbst? So stirb! Und dein Lohn soll sein, daß er dich liebt, sein Leben lang nur dich, ob auch längst Mnais’ Adern erstarrten und in ihren lieben Augen kein Licht mehr wohnt.“

„Was wird geschehen?“ fragte ich, und Kälte überzog mich. „Muß ich denn wirklich den Tod erleiden?“

Rhus’ Stimme erwiderte:

„Schweig’ und folge! Wo nicht, verschütte immerhin den Saft! Die Erde trinkt ihn und Timanders Liebe ist begraben.“

„Was soll ich tun, Rhus?“

„Steige hinab ins Haus, stütze den Kopf an die Wurzeln des Baumes und dann trinke!“

Da setzte ich den Fuß an und ging Schritt vor Schritt dem Hause zu. Meine beiden Hände waren um die Schale und meine Augen fest auf ihr, daß kein Tropfen herausfalle; aber in meinen Ohren waren auf einmal lauter Stimmen, von Tieren, von sanften Frauen, die aus den Ölbäumen herausgetreten waren.