„Mnais,“ sagten ein Nachtvogel, der meine Wange streifte, und ein Zweig, der mich an der Schulter berührte, „Mnais, verschütte den Saft und behalte dein süßes Leben!“
Und mir zu Füßen flüsterte es:
„Ich bin nur ein kleines Gras und dein Fuß kann mich töten. Ist er aber an mir vorbeigegangen, dann lebt noch immer Pans Atem in mir und glücklicher bin ich dann als Mnais, die starb und von Timander geliebt wird.“
Ich aber verschloß meine Ohren und stieg, den purpurnen Himmel und die warme Erde meidend, von der Schwelle ins Haus hinab, Stufe nach Stufe, in mein Grab; und am Ende meiner erhobenen Arme, bedächtig, daß ich nicht ausgleite, und sorgsam, daß kein Tropfen zu Boden falle, trug ich meinen Tod vor mir her. Die Wurzeln des unbekannten Baumes waren schlüpfrig wie Eis; und als ich ihnen rückwärts meinen Hals zubog, schlossen sie sich darum wie Zangen. Ich erschrak, hatte Furcht, meine Hände möchten zittern, und trank; trank und starb.
Und ich erwachte und sah zu meinen Füßen Timander. Über sein Gesicht, zu mir erhoben, floß der Mond. Er floß auch auf Wiesen und Hecken und von der Schwelle seines Hauses: lautlos und bleich. Timander dachte, lautlos:
„Nur dich lieb ich auf Erden! Was sind mir die Freunde! Ich möchte frei sein, um mit dir mich zu verbergen.“
Und ich antwortete ihm mit meinen Gedanken:
„Ich habe dich lieb, Timander!“
Er dachte wieder und ich verstand ihn:
„Mnais ist verschwunden, Niemand hat sie gesehen. Ein Gott, sagt man, hat sie entrückt. Ich kenne den Gott: er bewegt meinen Meißel. Ihre süße Seele ist nun in meinem Werk: drum kann sie nicht mehr unter den Menschen umhergehen.“