Unrat dachte: »Immerhin nun zwar –« Es ward ihm lau und traurig zu Sinn. Er schlich sich an den Spalt und sah zwischen den Ampeln die grünen Falten der Künstlerin Fröhlich langsam sich bilden und wieder vergehn ... Sie neigte den Kopf nach hinten; in Unrats Gesichtsfeld erschien das verbogene Diadem auf ihrer rötlichen Frisur und eine bunte Wange unter einer hohen schwarzen Braue. An einem der vorderen Tische sagte eine hingerissene Stimme, die Stimme eines breiten Landmanns in blauer Wolljacke:

»Nee, is dat Minsch schöen! Wenn ick nu na Hus kam, mach ick jä mien Fru gor nich miehr lieden.«

Unrat sah sich den Mann mit geringschätzigem Wohlwollen an; er dachte:

»Ei freilich nun wohl, Mann.«

Der war nicht dabei gewesen, als die Künstlerin Fröhlich entstanden war! Er wußte nicht, was das Schöne war, war nicht berufen, darüber zu entscheiden, hatte es hinzunehmen, wie's ihm geboten ward, und mußte noch froh sein, wenn es ihm den Geschmack an seiner Frau verdarb.

Die Strophe endete klagend:

»Im Takte deines Herzens schwankt mein Nachen,

Mein Herze weint, und alle Sterne lachen.«

Aber auch unter den Hörern lachte wieder einer, mit fettem Prusten. Unrat, aus seiner Stimmung gerissen, suchte vergebens unter den Köpfen. Die Künstlerin Fröhlich begann die zweite Strophe wieder mit »Der Mond ist ruhnd« ... Beim Refrain: »Und alle Sterne lachen –« lachten nun schon sechs oder sieben Leute. Einer in der Mitte gluckste wie ein Neger. Unrat entdeckte ihn: es war ein Neger! Dieser Farbige steckte seine Umgebung an, Unrat sah andere Gesichter sich in heitere Falten legen. Der Drang erhob sich in ihm, jene Muskeln aus ihren Verzerrungen zurückzureißen. Er trat von einem Fuß auf den andern, eine Art Qual durchlief ihn ...