„Dieser steife Mensch geht dir auf die Nerven. Es ist unerträglich, einen Stock zum Zuhörer zu haben.“
Lola machte sich heftig los; sie ging zum Fenster. Arnold trat hinter sie; er schluckte hinunter und sagte:
„Ihre Stimme war so weich, daß ich’s kaum begriff.“
„Warum sagen Sie nicht, daß sie hart war?“ — und sie schüttelte die Schultern. „Nun sind es zwei Monate, daß ich keine Stunden mehr nehme: und schon ist alles dahin.“
Er erwiderte nichts. Sie starrte hinaus; sie sah den alten Baron aus dem letzten Baum der Allee eine Leiter hinabsteigen, sich von einer der Sprossen auf sein Pferd schwingen und auf das Haus zureiten.
„Was macht er nur?“ fragte sie gereizt. Arnold murmelte:
„Er hat die Sucht, niemals den Erdboden zu berühren.“
Die hölzerne Brücke zu des Alten Schlafzimmer erdröhnte unter den Hufen. Lola fühlte sich unheimlich, wie ausgestoßen in eine harte Ausnahmewelt. Sie meinte, der Tag habe sich verdüstert. Tini stürzte schon wieder, rot, mit lockeren Gliedmaßen, zur Pforte herein und an den Briefkasten. Noch immer nichts: aber das tat nichts; schon war sie von dannen. „O, all die unüberlegten Hoffnungen!“ dachte Lola. „Man kennt sie selbst nicht. Leuchtet man ihnen aber ins Gesicht, sind sie tot.“ Hatte sie mit ihrem Gesang nicht Herzen werben wollen: ohne zu verstehen, was sie wollte? In Herzen Liebe entdecken und in einem Stück Erde eine Heimat: mit ihrer Stimme, wie mit einer Wünschelrute? . . . Nun war die Rute zerbrochen. Und wäre sie’s nicht gewesen, sie hätte doch niemals Zauber gewirkt.
„Man ist grauenhaft allein,“ sagte sie vor sich hin.
Nach einer Weile setzte er hinzu: