„Vorhin waren Sie die Gläubigere . . . Erinnern Sie sich, daß es schon einmal genügt hat, an die irdische Vervollkommnung des Menschengeschlechtes zu glauben: und es machte einen stürmischen Schritt auf sie zu. Die glücklichen Menschen des achtzehnten Jahrhunderts glaubten. Das Jahr 1789 war ihr Lohn. Dies Jahr war da. Dies arkadische Verbrüderungsfest ist gefeiert worden. Sein Gedächtnis ist unser Trost. Seit diesem Ausbruch des Besseren im Menschen ist alles möglich . . .“

Er schien stolz, daß nun auch er einen Glauben bekennen durfte. Ihr war’s, als lauschte sie einer Werbung, der sie sich immer schwächer entgegenstemmte. Und ohne der Verwirklichung seines Glaubens nachzudenken, empfand sie bei seinen von innerer Kraft federnden Worten, daß es sich leichter und höher durch das Mondgespinst dieser Nacht gehe.

Da bemerkten sie, daß das Haus vor ihnen lag, und daß sie allein waren.

„Die andern müssen nach dem Dorfe abgebogen sein, vielleicht um den Fabrikanten zur Bahn zu bringen.“

„Und was tun wir? Folgen wir ihnen?“

Aber sie blieben am Wege stehen, schauten in alle Richtungen, nannten einander die Ortschaften auf fernen Hügeln, horchten auf den Pfiff einer Lokomotive.

„Gehen wir ins Haus?“

Aber Lola bückte sich nach einer Blume; und nun pflückte er vom Feldrain eine Hand voll der Blumen, deren Rot und deren Blau blaß vom Mond war. Sie meinte, er werde sie ihr bringen; aber er ließ sie, als dachte er schon nicht mehr an sie, herabhängen. Stimmen kamen weither, — und plötzlich setzten sie sich in Bewegung. Hinter dem schwarzen Laubgang, wie am Ende eines Schachtes, schien das still beglänzte Haus sein eigenes, verlassenes Leben zu führen. Die Tür zur Stube stand offen, auf der Diele drinnen lagen weiße Vierecke. An den hölzernen Pfeilern der Veranda unterschied man jede der kleinen Weinbeeren.

„Wie schön!“ sagte Lola, indes sie in die Helle traten. „Man möchte in diesem Licht einen neuen Tag anfangen.“

„Werden wir im Laufe des morgigen wieder einer solchen Stunde begegnen?“