Sie packte, ohne zu wissen, was ihr bevorstehe, was sie wähle. Nur erst hier heraus, wo so viel Wirrnis erlitten war und alles verbrauchte, zwecklose Gesichter trug. „Wenn ich ihn wiedersehe, soll mir’s recht sein; wenn nicht, ist’s auch gut,“ dachte sie im Einschlafen; und bei Tagesanbruch, unlustig und mit Gähnen, vor den fertigen Koffern: „Wie unwahrscheinlich ist das Wiedersehen! Ich werde ihm doch nicht nachreisen. Und bis der Zufall es einrichtet, ist er vielleicht wieder in Afrika.“

Der Wagen mit dem Gepäck stand auf der Landstraße. Mai hatte noch mit ihrem Schleier zu tun gehabt. Niemand war aufgestanden: Lola hatte es sich dringend verbeten. Fröstelnd durcheilte sie den grauen Garten. „Dieselbe unwirtliche Stunde, zu der vor drei Tagen er fortging.“ Im Laubgang roch es nach Nebel. Der Sommer war fast zu Ende, merkte sie plötzlich. Sie blieb stehen: eine solche Trostlosigkeit durchdrang sie bei diesem Gedanken, daß ihr der Mut zum nächsten Schritt fehlte. Dahinten, über dem Lande, wallte es weißlich und ohne Grenze. So ging man denn wieder allein, allein dahinaus.

Wie sie die Hand auf die Pforte legte, tat von der andern Seite Arnold es.

„Sie — schon auf?“ stammelte Lola.

„Ich konnte nicht schlafen,“ erklärte er. Sie sah ihm ungläubig in die Augen und fand sie übernächtig.

„Dann bin ich froh, Ihnen nochmals Lebewohl wünschen zu können,“ äußerte sie, unschlüssig. Er schien zu wissen, was er sagen wollte.

„Ich habe Ihnen für einige der besten Stunden zu danken, die Menschen mir gewähren konnten. Ich hatte so viel nicht erwartet;“ — ganz ohne Bitterkeit: was ihr Staunen machte. Er senkte kurz die Lider. Dann:

„Daß mehr Glück als dieses nicht an meinem Wege liege, daran habe ich keinen Tag gezweifelt. Aber auch in Ihr Schicksal glaube ich einen Blick getan zu haben und fürchte, daß Sie heute noch im Irrtum sind. Könnte ich Sie für eine Minute so sehen machen, wie Sie nach einiger Zeit sehen werden!“

„Sie geben mir ein Orakel mit auf den Weg?“ — und Lola suchte hochmütig zu lächeln. „Ich kenne Sie auch: Ihnen verwickelt sich das Einfachste.“

Wie es schal und hassenswert war, dieses Zweifeln, dieses Zögern! Jetzt quälte ihn die verdiente Eisersucht auf den, der glücklicher war und sie glücklicher machen würde. Er hätte sie so ratlos und an allem unteilhaftig gewollt, wie er selbst war! . . . Vor Zorn und Kummer war sie bleich. Er war bleich von den Worten, die er gesagt hatte.