Und er konnte recht haben! Jener andere lebte jetzt schon wieder darauflos, wie je. Was war sie ihm? Was änderte sie an ihm? . . . Und an diesem hier? Nichts, als daß er nicht schlief. „Und wenn er tiefer leiden kann: was habe ich davon!“
Sie wandte sich ab. Sein Gesicht glitt langsam an ihrem vorüber. Nun sah sie es nicht mehr. Ein äußerster Zweifel schnürte ihr die Brust zu. Sie schluckte ihn hinunter. „Wenn es bestimmt wäre, käme es.“ Und mit Grausamkeit gegen ihn und gegen sich: „Das Leben ist nicht anders.“
V
Nachts stiegen sie in Mantua aus, aber es war schwül wie bei Tage. Am Morgen erschrak Mai über Lolas Aussehen. Sie habe kaum atmen können, sagte Lola; Mücken seien unter ihren Bettschleier gedrungen. Und Mai:
„Ah! Du verträgst nichts. Drüben bei uns würdest du etwas erleben.“
Kaum aufgestanden, streckte sie sich wieder aus. Von den geschlossenen Läden war ein grünlicher Schimmer auf ihrem weißen, runden Arm, den sie mit kindlicher Genugtuung betrachtete.
„Jetzt ist’s ganz wie zu Hause.“
Nie hatte Lola sich weniger heimisch gefühlt. Sie überlegte, daß sie hierher nur wegen einer Persönlichkeit geraten sei, die es gar nicht gab.
„Nun muß ich mich wohl nach meiner Freundin umsehen,“ äußerte sie.
„Es ist wahr, du bist schon wieder angezogen. Eine richtige Deutsche bist du!“