Botta unterbrach.

„Der Fortschritt! Das ist euer Wort. Wenn es nun aber bewiesen ist, daß die Scheidung geschichtlich und etnographisch eine tiefstehende Einrichtung ist und sich in direkter Verbindung mit allen Entartungserscheinungen der menschlichen Psyche befindet, als da sind Verbrechen, Selbstmord, Wahnsinn und — noch mit einer, die ich vor Damen nicht nennen kann?“

„Gut, Advokat,“ sagte Nutini. Cavà behauptete frisch:

„Die Ehe ist das Grab der Liebe!“

Seine drei Widersacher fielen zugleich über ihn her. Pardi verschränkte die Arme und wartete. Als er sprechen konnte:

„Die Ehe ist das Grab der Liebe, wenn man von Liebe einen falschen Begriff hat, wenn man für Liebe hält, was nichts weiter ist als tierische Fleischlichkeit, nichts als die Berührung zweier Epidermen. Die echte Liebe aber, die in der Seele wohnt und gereinigt, vergeistigt und von den Launen der Sinne unabhängig ist, kann nur eine einzige Person angehen und nirgends vorkommen als in der unlösbaren Ehe! Nur sie ist der ganz reine Herd dieser Liebe!“

Lola betrachtete ihn: da stand er, der Idealist, und glaubte an sich! Unter denen, die ihm so leidenschaftlich zustimmten, hätten vielleicht noch einige Ehefrauen sein sollen, deren reiner Herd dank ihm etwas weniger rein war, und ein paar Gatten, die er halbtot gestochen hatte.

„O!“ machte sie. „Was Sie da sagen, ist die Logik eines Dichters. Wenn nun die Wirklichkeit nicht immer so logisch wäre? Dann würde man, Ihrer Poesie zuliebe, unglücklich!“

Er merkte gar nicht ihren Spott. Mit Strenge entgegnete er:

„Auf diese oder jene, vielleicht vorschnell geschlossene Ehe kann nicht Rücksicht genommen werden, wo es sich um die Ehe als Grundstein des gesamten gesellschaftlichen Gebäudes handelt.“