„Was fällt dir jetzt ein? Irgend etwas mußt du doch anhaben.“
„Dann ziehe ich das grüne Kleid an.“
„Das die Schneiderin ganz verdorben hat? Und Grün steht dir nie!“
Mai wiederholte mit einer Festigkeit, unter der es zitterte:
„Ich ziehe das grüne Kleid an.“
„Du bist schrecklich!“ — und Lola sah sich verzweifelt nach allen Seiten um. Daß Mai sich häßlich machen wollte, war ein peinlicheres Opfer, als wenn sie ihr Pardi freiließ.
„Zu dem grünen mußt du wenigstens Rot auflegen, hörst du?“
„Ich werde mich überhaupt nicht schminken: nur Eau végétale.“
Und Mai ging, von sich selbst erschüttert, hinaus.
An diesem Abend schickte Mai alle Tänzer fort, machte Bekanntschaften unter den Müttern einiger kleinen Provinzlerinnen und führte sorgenvolle Gespräche über die Kinder. Dafür ließ sie sich das nächste Mal zu ihrer silberbestickten weißen Empirerobe überreden; und jedesmal, wenn sie in Pardis Arm an den Wänden hinglitt, trieb es Lola ihr nach. Sie gab dem eigenen Begleiter keine Antwort, hing nur an Mais und Pardis Mienen, die zu süß, zu vertieft waren, quälte sich um die Worte, die er in Mais Corsage sprach, litt unter dem weichen Seidenfluß um Mais Gestalt, unter den blaßbunten Palmen darauf aus altem Kaschmir, unter Mais Flimmern und üppigen Gleiten und der nie gestörten Weiße ihres Gesichts in den breiten schwarzen Haarwellen. Sie selbst erhitzte sich, ihren Fächer bewegte sie nicht so melodisch, und nie würde sie es verstehen, solche Hingebung zu spielen! „Diese Männer hier wollen nichts, als daß man ihren Augen schmeichelt, und allen ihren Sinnen. Das ist alles, was sie kennen.“ Sie ließ sich ins Freie führen, ans Buffet, von einem Raum zum andern; in aller Hitze klapperten ihr plötzlich die Zähne; und sie begann wahllos zu schwatzen. „Wie ich mich schäme!“ dachte sie dazwischen.