„Wer sieht uns zu, hinter der Bettsäule, am Spalt des Teppichs?“

„Warum erschrickst du? Ich bin da. Fühlst du mich?“

Aber nach Stunden, jenseits der Traumgrenze, funkelten wieder die gelben Augen der Faune, die mit ihren gespaltenen Hufen über die Schwelle der Gartentür stapften und das Bett umstellten.

Sie stand auf, bevor er wach war, wagte nicht das Zimmer zu verlassen, sich nicht zu zeigen, und saß, mit der Schulter nach dem Bett, unbehaglich auf dem zerrissenen Gobelin eines Prunksessels. Ohne darauf zu achten, hatte sie ihre Toilettesachen wieder in die Tasche gelegt und hielt die Hand darauf. Sie sann verstört. Hinter ihr gähnte es und warf sich’s herum.

„Komm!“ lallte er.

Sie sprang auf und flüchtete in den Garten. In kurzem, sah sie, verlief er auf den kahlen Berg. „Ich möchte fort,“ dachte sie. Da erinnerte sie sich jener Nacht in Deutschland, als sie, wie spielend, auf und davongegangen war und er sie eingeholt hatte. Sie ging das Haus entlang und betrat durch eine zweite Tür eine Galerie, worin der Alte von gestern den Tisch deckte. Er legte langsam hin, was er hielt, und verneigte sich; und während sein Kopf auf der Brust lag, errötete Lola. Sie nahm einen Korbstuhl, verließ ihn wieder, wechselte mehrmals den Platz. Ihr Kleid, merkte sie plötzlich, bekam einen roten Saum vom Fußboden! Sie wollte sich auf eine der seidenen Bänke setzen, sich an eine der goldenen Konsolen lehnen: und Staub flog auf. Unter dem Sofa drüben sah sie ihn geballt, wie Watte.

„Das Schloß ist wohl sehr alt?“ fragte sie den Diener.

Sofort setzte er ein mit einer Aufzählung von Daten, Namen, Gegenständen, als führte er Fremde umher.

„Auch ein römisches Mosaik? Das will ich sehen.“

Sie erreichte nicht die Tür: eine Frau in schwarzem Kleid trat ein, groß und dunkelhaarig, noch schön trotz gelber, müder Haut, und starrte Lola finster an, — bevor sie, als besänne sie sich, sehr freundlich ihre Dienste anbot. Lola antwortete, aus Verwirrung, mit entgegenkommendem Lächeln. Durcheinander fragte sie die Frau, wie sich’s hier lebe, was denn ihr Mann jage, wie alt ihre Kinder seien . . . Da sah sie über dem Kamin, auf der Lockenperrücke des bronzenen Reiters, eine ganz in Staub gewickelte Haarnadel. In ihr zuckte es auf. „Natürlich! Sie gehört zu seinen Geliebten. Eine andere hätte das gleich gesehen.“