„Und ich bin seine Frau.“

Da die Alte ratlos zu ihr aufblinzelte:

„Ich bin die Contessa Pardi, und ich verzeihe Ihnen, daß sie mich nicht kannten.“

Sie wollte gehen, aber die Alte hing ihr an den Röcken; sie weinte:

„O Herrin, gute Herrin, übt Mitleid! Seht, ich arme Alte lebe in jenem Turm allein. Meine Söhne, die Eurem Gemahl dienten, sind nun alle gestorben, ich habe keine Zuflucht als diese. Meine Nudeln koche ich mir, spinne und sehe niemand. Was wußte ich? Übt Mitleid und verratet mich nicht unserm Herrn! Wohin mit mir, wenn er mich vertreibt?“

„Bleiben Sie, bitte, hier,“ sagte Lola, höflich und etwas verlegen, wie zu einer Dame, die sich wegen einer Taktlosigkeit entschuldigte. „Ihre Erzählung war sehr unterhaltend.“

In einem der Säle begegnete Lola dem alten Benedetto, ließ sich von ihm das römische Mosaik zeigen und dachte dabei: „Was ich da gehört habe, konnte ich eigentlich erfinden. Ich fing eben an, es mir so zu denken. Er war mit allen seinen Frauen hier: warum nicht auch mit mir. Wie das stimmt! Die Ehe ist heilig, wie eine Zwingburg, und darf nicht abbröckeln: Das ist Grundsatz und gilt für die andern. Wir selbst aber fühlen uns stark genug, auch die Freiheit zu ertragen, das Leben nicht als Pflicht zu nehmen, sondern als Vergnügen. Ein einzelner verdirbt wohl nichts am Grundsatz . . .“

„Eine Nilüberschwemmung ist es?“ fragte sie. Der Diener sah sie verdutzt an; er sprach seit fünf Minuten.

„Also gut. Wenn der Herr kommt, sagen Sie ihm —. Nein, es ist nicht nötig.“

Nicht ausgehen: lieber noch allein durch diese Höfe, diese halb verschütteten Kammern irren, zwischen Wänden mit herabhängenden Lederfetzen. Zu mühsam selbst das. „Ich bin träge. Auch die anderen, die vorigen werden’s hier gewesen sein — nach solcher Nacht. Eigentlich muß er, indes er mich küßt, auch jene, die auf denselben Kissen lagen, unter den Lippen haben. Von jeder das beste. Es war geschickt, mich hierher zu bringen. Er versteht sein Vergnügen.“