„Bist du verletzt?“ fragte der Mann, unter ihr.
Lola antwortete nicht. Dies war fast der Tod gewesen. Und die Angst selbst seines Vorüberstreifens war zu Wollust geworden. Sie lebte in so tiefen Schauern, daß keiner mehr sie schreckte.
Er hob sie aus dem Graben. Er wollte der Übeltäterin nach; Lola hielt ihn zurück.
„Du hast den Wagen umgeworfen? Hast gemacht, daß ich auf dich fiel, und dein Leben für mich gewagt?“
Sie gedachte dessen, was Nutini von ihm geflüstert hatte: er habe die Chiarini, als sie von ihm in anderen Umständen gewesen sei, mit dem Wagen umgeworfen, habe sie getötet . . . Vielleicht war die glücklicher gewesen? Denn sicher: der Gipfel der Lust war hier gewesen. Und im Weiterfahren sah sie beklommen rückwärts.
„Schade!“
Auf der Fahrt vom Bahnhof, aus dem Wagen des Hauses Pardi, sah Lola mit nachdenklicher Geringschätzung die Rücken der Leute an, die durch den Regen trabten und nicht wußten. Denn die Abgründe, in denen Lola heimisch war, hatten jene nie berührt. Mit dem Manne zusammen war sie in eine eigene Luft geschlossen, in eine stärkere, durch die man höher atmete und rascher verbrannte. Sie hatte keinen Blick für das Haus, in das sie einzog, für die Diener, die sie begrüßten. Wozu standen sie noch da? Schickte er sie nicht weg? Endlich: die Arme durften sich öffnen.
Aber Pardi bemerkte Blumen mit Karten, der Haushofmeister meldete das Diner, und wie sie sich setzten, kam ein Fremder.
„Mein Freund Valdomini,“ sagte Pardi.
Lola erstaunte: „Sein Freund?“ Glückwünsche und Komplimente nahm sie hin und dachte: „Also gut, das ist abgemacht. Was noch?“ Der Fremde setzte sich mit zu Tische, man mußte ihm zuhören, sich an eine Menge verschollener Personen, dahinten gebliebener Angelegenheiten erinnern lassen. Was konnte dieser auch wissen? Doch sprach er gut; Lola lachte mehrmals; unwillkürlich trat sie einige Schritte aus ihrer Welt heraus.