„Ob es gekonnt hätte!“ — und die Bernabei belebte sich. „Ich bin ein Opfer der Männer, ihrer Dummheit und ihres Eigennutzes. Wegen einer Zigarre, verstehen Sie: wegen einer Zigarre verfeindet mein Mann sich mit Attilio und beschließt, uns zu überraschen! Als er dann mit der Polizei herbeirückt, will der Himmel, daß meine Jungfer ihn rechtzeitig erblickt und uns warnt. Ich verlor nicht die Besinnung, ich habe mir nichts vorzuwerfen! Gleich wußte ich, was zu tun sei, und wäre man mir gefolgt, wäre alles gut gegangen. Ich befahl der Diomira, ins Kabinett zu treten. ‚Der Leutnant‘, sagte ich, ‚wird mit dir gehen. Du schließt ab, und verlangt man, daß du öffnest, zeigst du dich mit emporgehobenen Röcken im Türspalt. Man wird deine Zurückgezogenheit achten . . .‘ Es war die Rettung, und es war so einfach. Werden Sie glauben, daß dieser Cavà sich weigerte? Er fürchtete, sie möchten ihn dennoch entdecken, und lieber als an solchem Orte, wollte er in meinem Schlafzimmer gefunden werden! Die Lächerlichkeit scheute er, und doch handelte sich’s um die Ehre einer Frau!“
Die Verwandte verdrehte die Augen.
„Was für Männer heutzutage! Ihr wäret so sicher durchgekommen . . .“
Sie verbreitete sich über die Lage der Örtlichkeit, an die die Rettung gebunden gewesen war. Lola hielt nicht mehr aus.
„Und wenn schon. Wären Sie auch durchgekommen: Sie wären doch nicht weniger schuldig, als Sie sind! Und heute, da man Sie überrascht hat, sind Sie doch nicht verwerflicher, als gestern, da man noch tat, als wüßte man nichts.“
„Das ist ein Unterschied,“ sagte die Bernabei, mit gedrücktem Lächeln.
„Ihr Gatte wußte darum!“ rief Lola. „Ist es nicht empörend, daß er Sie opferte, nur weil er sich mit Ihrem Liebhaber gezankt hatte?“
Die beiden Frauen wehrten mit kundigen Mienen ab. Aber Lola war im Zuge.
„Empört Sie’s denn nicht, daß jetzt plötzlich alle jene Frauen Sie verleugnen, die Ihre Schuld längst kannten, und deren eigene Vergehen jedem bekannt sind?“
Die beiden warfen sich einen Blick zu.