„Wen meinen Sie?“ fragte zögernd die Verwandte.

„Wen sollte ich meinen? O! mich ersticken hier Ungerechtigkeit und Heuchelei.“

Und da sie sich von den kalten Augen der Bernabei beobachtet sah, als redete sie irre:

„Sie fühlen wirklich nicht Menschenwürde genug, um sich zu empören?“

Unvermittelt fiel jene wieder in Heulen. Der Mops knurrte wieder, aber ohne sich vom Kissen zu bemühen. Die Bernabei wimmerte:

„Bedenken Sie, wie wenig fehlte, und alles wäre gut gegangen!“

„Allerdings“, sagte Lola, beschämt, weil sie hier saß. Die Bernabei ordnete ihre beringten Finger im Schoß, lehnte sich zurück und vernichtete in ihrer Miene jeden Ausdruck. „Richtig: man muß vor allem sein Gesicht schonen,“ dachte Lola. „Solange es hübsch bleibt, ist nichts verloren. Man hat keinen Erfolg gehabt und ist dafür mit Recht bestraft worden. Aber was kann man am Ende mehr wünschen, als eine gute Schneiderin und ein Zimmer voll von Anbetern. Schließlich darf es auch dies Zimmer sein. War man im Grunde nicht immer schon, was man jetzt ist? Die Veränderung ist fast nur äußerlich . . . Da sitzt sie, zurechtgemacht, als wartete sie auf Männer. Die andere hat schon jetzt etwas von einer Kupplerin.“ Plötzlich fiel ihr ein, daß die Bernabei dorthinten Kinder zurückgelassen habe. Sie fühlte Tränen kommen und stand hastig auf.

„Sie gehen also nicht aufs Land, Contessa?“

„Es wäre nicht der Mühe wert. Mein Mann ist im Begriff, sich zu ruinieren; er würde mir die Pension nicht lange auszahlen. Lieber vermiete ich gleich Zimmer.“

Die Verwandte sagte: