Sie weinte. Dann sah sie:

„Das alles ist falsch. Sie hat mich betrogen, aber sie liebte mich. Habe ich nicht ihre Reue und ihr schlechtes Gewissen vor Augen gehabt? Sie war wie ein verderbtes Kind, dem plötzlich vor ihm selbst bange wird, und das lieber gut wäre. O, das wäre leicht und einfach: dumm sein und sie hassen! Aber ich fühle, wenn ich mich besinne, von ihr und ihrer Welt gerade selbst genug, daß ich ihr Recht lassen muß. Sie wird schuldig und sie büßt. Unter Gefahren genießen, sich durch einen Tag bringen und durch noch einen, täuschen, siegen, geschlagen werden: es wäre doch eine starke, schöne Welt. Man dürfte keine andere kennen. Auch ich trage sie in mir — neben der anderen, die ich auch in mir trage. Und immer, wenn die eine mich haben sollte, fühle ich das Gewicht der anderen, die mich fortzieht . . .“

Da sprang sie auf, stürzte sich auf die Klingel.

„Ich bitte den Herrn Grafen, sofort zu mir zu kommen.“

„Der Herr Graf ist nicht zu Hause.“

Lola sah sich im Spiegel entstellt von Zorn. „Recht so! Ich werde einen Skandal machen, an den Florenz denken soll! Er ist bei ihr, ich habe ihn sicher gemacht. Sie überraschen, mich rächen, sie beide ganz klein sehen und dann fort: leicht und frei, wieder frei sein!“

. . . Sie merkte, daß sie sich, anstatt die Tür zu öffnen, dagegengelehnt und geträumt hatte.

„Für wen will ich frei sein? Welchen Namen habe ich schon wieder gedacht? Auch Claudia sah, daß ich einen Namen dachte . . . O, ich bin schlechter als sie beide, als sie alle! Heuchlerischer bin ich! Sie bilden sich keine Reinheit ein. Sie sind nicht selbstgerecht. Ich liebte Arnold, als ich, um meiner Sinne willen, Pardi heiratete. Das ist die Wahrheit, die schlimme Wahrheit!“

Sie sah leer vor sich hin . . . Von der Dämmerung beschlichen, schrak sie auf.

„Ich wußte, was ich tat, und daß er noch andere begehren und nehmen würde. Er und sie: es ist so selbstverständlich; wie konnte ich mißverstehen, wie durfte ich mich auflehnen. Bei mir ist kein Recht, keins; und ich schäme mich, ihnen im Wege zu sein.“